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Livekritik zu

Macbeth

06.10.2013 - 26.11.2013 | Berlin [ Charlottenburg ] / Deutsche Oper Berlin
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august14979
am 07.10.2013

In meinem Opernführer heißt es, dies sei seine einfallsreichste Oper und er habe dem Bühnenbild und den Kostümen die gleiche Bedeutung zuerkannt wie dem musikalischen Ausdruck. Nun inszeniert heute ein anderer als Verdi. Robert Carsen bringt seine Produktion der Oper Köln auf eine von einer grauen Mauer beherrschten Bühne. Düster ist die Atmosphäre, dem bluttriefenden Shakespearschen Drama angemessen. Die männlichen Solisten - und szenenweise der Chor - kommen seltsam gewandet daher. Erinnern die ordensgeschmückten Uniformen der männlichen schottischen Adligen an eine lateinamerikanische Militärjunta, so gleicht der Chor zuweilen eher einer Schar von Grenzsoldaten aus der DDR-Ära.

Es gibt einige wirklch bewegende Elemente in dieser Inszenierung, z.B. wenn der Chor auf der Bühne erscheint, Bilder der vermissten oder ermordeten Angehörigen in Händen hält und schließlich an der grauen Wand befestigt. Halbwegs gelungen würde ich den Auftritt der Hexen bezeichnen, die Macbeth den Königsthron verheißen. Bei Carsen treten sie als weibliches Reinigungsgeschwader auf, bewaffnet mit Eimer und Feudel. Derselbe "Hexen-Chor" stürzt sich am Ende des großen Banketts auf die Essensreste, um dieselen schließlich in die Biotonne zu befördern.

Am Ende liegen Macbeth und seine Lady in ihrem Blute, die Masse der Uniformierten huldigt dem neuen König, die Transparente mit seinem Abbild stehen schon bereit und eine Art Jungpionier überreicht einen Blumenstrauß, der in seiner Dürftigkeit eher an ein paar lieblos zusammengesteckte Riechpinsel gemahnt. Was soll uns das sagen? Vermutlich, dass Köpfe beliebig austauschbar sind, das Regime jedoch bleibt. Demzufolge wirkt die Schlussszene nicht besonders fröhlich, sie vermittelt eher Resignation.

Sängerisch gibt es wenig auszusetzen. Marianne Cornetti als intrigante Lady Macbeth singt ihren Gatten (Thomas Johannes Mayer in der Rolle des Schottenkönigs) mühelos an die graue Kulissenwand. Das soll Mayers Sangeskunst keineswegs herabsetzen - auch er hat seine großen Auftritte. Guiseppe Verdi hat nun mal die dankbareren Partien für die Lady vorgesehen. Yosep Kang als Macduff legt eine fulminante Arie hin, in der er den Tod seiner Familie beklagt.

Der Schlussapplaus ist angemessen, ohne euphorisch zu werden, die Leistungen der Solisten belohnend - und vor allem die des wie fast immer exzellenten Chores. Auch das Orchester der Deutschen Oper hat voll überzeugt. Um in lauten Jubel auszubrechen, dafür wirkte die Umsetzung des Schottendramas durch Robert Carsen wie ein wenig "aus der Zeit gefallen".

Abschließend gestatte ich mir noch einen Hinweis an die Techniker des Hauses: Das Ächzen der Drehbühne, wenn sie sich bewegt, wirkt doch etwas störend. Vielleicht sollte man der Mechanik gelegentlich einen Ölwechsel gönnen.

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Ein Macbeth, der die Erwartungen nicht ganz erfüllt

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