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MEIN KULTUR-TIPP FÜR EUCH: DAS BRÜCKE-MUSEUM IN BERLIN!

Tanja Praske lädt in ihrer zweiten BLOGPARADE dazu ein, einen besonders schönen, interessanten und sehenswerten Kultur-Tipp weiterzuempfehlen. Hier kommt der Beitrag unserer Praktikantin Anne Grasmay.

Schon seit längerem hatte ich mir vorgenommen, das BRÜCKE-MUSEUM in Berlin-Dahlem zu besichtigen. Vor einigen Jahren hatte eine Ausstellung mit Aquarellen von Emil Nolde (wenn ich mich richtig entsinne, war das im Kupferstichkabinett in Berlin) bei mir große Begeisterung entfacht. An einem schönen Septembertag nahm ich also den weiten Weg nach Dahlem auf mich und es hat sich definitiv gelohnt!

Das Brücke-Museum ist der Künstlergruppe „Brücke“ gewidmet.
„Weltenbruch – Die Künstler der „Brücke“ im Ersten Weltkrieg 1914 – 1918“ - so lautet die aktuelle Sonderausstellung des Brücke-Museums, die noch bis 16. November besichtigt werden kann und die wie viele Ausstellungen in diesem Jahr an den Beginn des Ersten Weltkrieges erinnert. Die Künstlergruppe „Brücke“ hatte sich jedoch bereits vor dem Kriegsbeginn 1913 in Folge interner Unstimmigkeiten aufgelöst.

Einleitend werden in kurzen biografischen Abrissen die Künstler Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel, Karl Schmidt-Rottluff, Max Pechstein, Emil Nolde und Otte Mueller vorgestellt. Wo hielten sie sich während des Krieges auf? Und wie waren sie in den Kriegsdienst eingebunden?
In mühevoller Arbeit wurde aus dem Repertoire der während des Krieges entstandenen häufig skizzenhaften Zeichnungen sowie kunstvollen Holzschnitte und Aquarelle eine Auswahl zeitgeschichtlich und künstlerisch interessanter Artefakte zusammengetragen. Die Hängung der Kunstwerke ist thematisch gegliedert und führt dem Besucher die neuen Einflüsse der Künstler und die damit einhergehenden neuen Bildmotive vor Augen, denn die Zäsur des Großen Krieges im Leben der Künstler machte selbstverständlich keinen Halt vor ihrem künstlerischen Schaffen. In den zahlreichen Porträts der Sanitäter, Soldaten und Verletzten werden durch die tiefen Augenringe, die eingefallenen Wangen und die großen Augen der Schmerz und das psychische Leiden der Dargestellten und somit gleichzeitig - so hatte ich das Gefühl - auch das der Künstler sichtbar.

Faszinierend und erschreckend zugleich wirken das gekrakelte "Selbstbildnis Kirchners im Morphiumrausch" von 1917 und Erich Heckels „Irrer Soldat“ sowie der „Mann in der Ebene“, ein Mann, der ähnlich dem „Schrei“ von Edward Munch beide Hände verzweifelt an den Kopf reißt. Detaillierte Informationen über den Aufenthaltsort der Künstler, zum Schaffenszeitpunkt der Werke, zu den Personen und Landschaften, die sie abbilden, geben der Ausstellung ihr zeitgeschichtliches Fundament und machten sie für mich zu einem großartigen und lehrreichen Ausstellungserlebnis, für den sich der Weg nach Dahlem zweifelsohne lohnte.  
Einziger Knackpunkt ist leider, dass - wahrscheinlich der Abgeschiedenheit zum touristischen Großstadtberlin geschuldet - die englischsprachige Beschriftung in Form von Tafeln und Kärtchen in der Ausstellung ganz fehlt.

Verbunden mit einem schönen Spaziergang am Grunewaldsee oder der Besichtigung eines der anderen Museen in Dahlem kann so ein wunderschöner Sonntagsausflug aussehen, der durchaus mit einem Besuch der Museumsinsel mithalten kann.
Mal sehen, was das Brücke-Museum als Nächstes geplant hat!

ANNE GRASMAY

Fotos:
Brücke-Museum © Archiv Brücke-Museum
"Irrer Soldat" von Erich Heckel, 1916 © Nachlaß Erich Heckel, Hemmenhofen
"Verwundeter" von Max Pechstein, 1917 © Max Pechstein Urheberrechtsgemeinschaft, Hamburg/Tökendorf

Brücke-Museum © Archiv Brücke-Museum
"Irrer Soldat" von Erich Heckel, 1916 © Nachlaß Erich Heckel, Hemmenhofen
"Verwundeter" von Max Pechstein, 1917 © Max Pechstein Urheberrechtsgemeinschaft, Hamburg/Tökendorf

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