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Livekritik zu

La Gioconda

19.01.2014 - 06.02.2014 | Berlin [ Charlottenburg ] / Deutsche Oper Berlin
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august14979
am 10.07.2018

Fassungslos schaut man auf die Bühne. Dass es das noch gibt…! Der regelmäßige Operngast ist ja inzwischen ein Leidtragender - oder Genießer, je nach persönlichem Gusto - des modernen Regietheaters. Da hängen schon mal beim Tannhäuser die Rüstungen von der Decke, Alberichs Werkstatt wird als „überarbeitetes“ Mount Rushmore dargestellt, der Jäger Max saust nackt über die mit einem Schwein ausgestattete Freischütz-Bühne. Der Fantasie des Regisseurs sind ja heute keine Grenzen gesetzt. Aber nun öffnet sich die Bühne und lässt ein mittelalterliches Venedig in voller Pracht erstrahlen. Die Kulissen sind so schwelgerisch gestaltet, dass bei Beginn des jeweiligen Aktes erst einmal Applaus aufbrandet. Filippo Sanjust zeichnet verantwortlich für die Inszenierung und die Kostüme, die Kulissen stammen noch aus der Zeit der Entstehung des Werkes, sind also Original. Und sie erfordern einen sehr behutsamen Umgang. Weil nur „von Hand“ umgebaut werden kann, gibt es nach jedem Akt eine längere Pause.

Ponchielli hat zudem in seiner Oper alles untergebracht, was typisch für dieses Genre ist. Intrigen, unstillbare Liebe, sexuelles Verlangen, Tod und Verzweiflung, eine Fülle schöner Arien sowie Chorgesänge und, wie es halt damals üblich war, eine Balletteinlage. Und dieser „Tanz der Stunden“ gehört – im Gegensatz zur Oper selbst – immer noch zum gängigen Klassikrepertoire.

Schon 1974 war die Premiere in der Deutschen Oper. Seitdem ist sie nur 58-mal aufgeführt worden, und das ist sicher dem hohen Aufwand geschuldet, der mit der Aufführung verbunden ist.

Hui He überzeugt als Straßensängerin La Gioconda und George Gagnidzes Bariton übernimmt den Part Barnabas, des Spions der Inquisition. Der Staatsinquisitor höchstselbst wird von Ievgen Orlovs Bassstimme zum Bühnenleben erweckt. Daniele Barcellona übernimmt fulminant die Rolle der Laura. Und Alfred Kim darf als Edelmann Enzo Grimaldo glänzen. Sie zeigen sich allesamt stimmgewaltig und in Bestform. Und alle heimsen am Ende verdienten Applaus ein. Pinchas Steinberg ist verantwortlich für das Orchester. Bei allem Gesamtlob schien mir, als ging für kurze Augenblicke die Synchronität zwischen Sängern und Orchester verloren. Das trübt aber keineswegs den Gesamteindruck. Alles wirkt wie ein bisschen aus der Zeit gefallen. Eine Erinnerung an früher übliche Inszenierungen, schwelgerisch in Plüsch und Pomp, mit relativ statisch agierenden Sängerinnen und Sängern.

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Ein Muss für Fans der klassischen Inszenierung

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