Overlay
Livekritik zu

Opernfrühstück

25.11.2012 - 19.05.2019 | Berlin / Komische Oper Berlin
« zurück zur Veranstaltungsseite
Till Führer
am 21.06.2013

Die Zauberflöte wird trotz ihrer ungebrochenen Popularität gerne etwas Stiefmütterlich behandelt. Als Einsteiger- oder Kinderoper verschrien, scheint es manchmal regelrecht Trend zu sein, Mozarts Meisterwerk eher langweilig zu finden.

Die Komische Oper Berlin hat nun eine Fassung auf die Bühne gebracht, die jegliche Erwartungen, Vorurteile und Genregrenzen sprengt. Zusammen mit der Theaterkompanie „1927“ hat Regisseur Barrie Kosky auf einer weißen Fläche ein Amalgam aus Oper, Stummfilm, Comic und Videospiel-Elementen geschaffen, das durch tolle Einfälle, hingebungsvollem Design und durchaus auch beeindruckendem Gesang begeistert. Kein Wunder, dass viele Vorstellungen bereits ausverkauft sind und die Inszenierung auch 2014 wieder im Spielplan steht!

Als Bühnenbild wird dem Zuschauer zunächst nur eine weiße Wand präsentiert. Doch diese ist nur Hintergrund für die unzähligen, detailverliebten Videoprojektionen, mit denen die Sänger pausenlos aufs das Schönste interagieren. Ob düsterer Wald, Unterwasserwelt oder der Trinkrausch Papagenos, mit unterschiedlichen Mitteln, Perspektiven und Tricks wird aus der weißen Wand eine mehrdimensionale Wunderwelt, die bis zum Ende überrascht. Viele Stummfilmeinflüsse, Anleihen bei Jule Verne, Buster Keaton oder auch der modernen Gruselästhetik à la Tim Burton finden in dem Abend Platz, so dass man am Ende nicht mehr weiß, ob man in einer modernen, verspielten Oper oder in einer surrealen 3D-Filmperformance war.

Die Ästhetik ist schlicht beeindruckend. Allein die Oper als solche mag für Fans vielleicht zu kurz gekommen sein. Die Königin der Nacht trällert ihre Arie zwar tadellos und mitunter begeisternd, doch hoch oben über der Bühne herrscht sie als riesige Spinne, als Person und Sängerin aber ist sie mimisch und gestisch sehr eingeschränkt. Auch der Rest des Ensembles kann durch die speziellen Raumverhältnisse der Bühne wenig raumgreifend agieren. Das schmälert zwar keineswegs ihre stimmliche Qualität, kann aber gewöhnungsbedürftig sein. Im Vordergrund stehen die Geschichte und die Inszenierung, nicht die Sänger.

Aus dem Ensemble sticht neben der Königin der Nacht vor allem Pamina (Brigitte Geller) hervor. Auch Tamino (Adrian Strooper) überzeugt, Papageno (Tom Erik Lie) spielt wunderbar in seinem sandfarbenen Anzug und singt ebenso. Heimliche Stars aber sind die drei Damen (Mirka Wagner, Annelie Sophie Müller, Caren van Oijen), die trotz stimmlicher Vielfalt eine exzellente, homogene Leistung liefern. Einzig Sarastros Darbietung lies bei mir keinen Funken überspringen. Dirigentin Kristiina Poska zeigt ebenfalls eine absolut wunderbare Leistung!

Am Ende bleibt nur eines zu sagen: Ansehen! So eine Zauberflöte werdet Ihr nicht wieder zu sehen bekommen.

 

Besucherfazit

Surrealistische Mischung aus Oper und Film!

Bewertung

  • Fazit
  • Unterhaltung
  • Anspruch
  • Preis/Leistung
  • Atmosphäre
4 Personen fanden diese Livekritik hilfreich.
Konnte Ihnen diese Livekritik helfen?
Ja

Ähnliche Veranstaltungen in der Nähe

Zuletzt aktive Livekritiker

  • Daniel Anderson
  • Stefan M. Weber
  • poy
  • Katja Marquardt
  • Stephanie Speckmann
  • Luisa Mertens
  • Iris Gutheil
  • Christin Buse
  • Holger Kurtz
  • Eckhard Kutzer
  • Peter Griesbeck
  • ENSEMBLE RUHR
  • Aberabends
  • Silke Liria Blumbach
  • Esther Barth
  • Theater o.N.
  • Susanne Elze
  • Alminka Divković Hurabašić
  • Odile Swan
  • Jamal Tuschick
  • Marie Golüke

Für Freikarten und Kulturtipps

Andere Besucher interessierte auch

Machen Sie mit

Kultur erleben

  • Erhalten Sie Informationen zu Veranstaltungen, die Sie wirklich interessieren.
  • Austauschen mit anderen Livekritikern.
  • Gewinnen Sie Freikarten.
Jetzt kostenlos registrieren!