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Livekritik zu

B.AGL ART afFAIRs Berlin

18.09.2013 - 22.09.2013 | Berlin [ Friedrichshain ] / Postbahnhof Berlin
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Steffen Kassel
am 24.09.2013

Das etwas starre Konzept der Berliner Art Week wird aufgeweicht. Vor allem weniger bekannte Künstler finden bei der B.AGL Eintritt in den Kunstmarkt.

Die Veranstaltung fand vom 18. – 22. September im Postbahnhof Berlin statt, nahe dem Ostbahnhof. Der günstigen Infrastruktur ist es wohl zu verdanken, dass zahlreiche Besucher herbeiströmten, die durch Live-Acts auch musikalisch unterhalten wurden. Kunst in zwei Etagen: Im Gegensatz zu den größeren Messen wird eine neue Übersichtlichkeit geboten, die es dem Rezipienten erleichtert, Zugang zu den Werken zu finden. In der Tat, die schöpferische Vielfalt ist immens, und die professionellen Strukturen der Marktgrößen sind quasi nicht vorhanden. Unabhängigkeit der Künstler und Galeristen scheint das anvisierte Ziel zu sein, zumal der Druck der den Kunstmarkt beherrschenden Großgalerien gewaltig ist. Die Preise sind erschwinglich, beispielsweise kostet das Bild „World War Head“ vom niederländischen Künstler Quintus Jan Teltin 2100 Euro. Ein martialischer Anblick, der wahrlich an Schmiedekunst denken lässt, an Blut und Eisen, an marschierende Stiefel. 

Mythische Bilder, Ur-Chaos
Die EAGL Gallery (Berlin-Charlottenburg), die letztes Jahr bei der Preview unter anderem mit den Kubanern Rigoberto Mena und Maykel Herrara vertreten war, präsentiert diesmal 4 Künstler: Felipe Alarcón Echenique, Nils Peter, Reinhard Stammer und Klaus Stein. Während Letzterer surreale Ausflüge unternimmt, erinnern die Bilder von Felipe Alarcón Echenique an mythische Bilder, die mit Fabelwesen, olympischen Gestalten, Bauern und Kriegern gesättigt sind. Ein Ur-Chaos, möchte man meinen, faszinierend durch die Farbzusammenstellung. Reinhard Stammer, der sich im Netz auch selbst promotet, produziert Bilder, die mitunter an eher harmlose, abenteuerliche Alpträume gemahnen, in denen fratzenhafte Geisterseelen unmittelbar aufsteigen, um sich dann wieder zu verflüchtigen, wie Chiffren aus einer anderen Welt.

Lust am Experimentieren
Schiffe haben es Kat Lassen wohl angetan, aber wesentlich interessanter ist die deutsche Künstlerin, wenn sie sich auf andere Motive einlässt, etwa auf eine jordanische Stadt. "Amman"  ist ein gelungenes Werk, eine Häuserlandschaft zeigend, mit magisch aufglühendem Blau dazwischen. Wer gelassen die Reihen und Wände abläuft, wird bestimmt aufmerksam auf die Collagen von Bärbel Ricklefs-Bahr, die, Acryl, Bitumen, Cement verwendend, gern spontan arbeitet und auf ihrer langen, von Experimentierlust geprägten Suche doch von einem Harmoniebedürfnis geprägt ist. Starke Arbeiten zeigt auch Anna Schmahl, deren oft in Rot getauchten Werke auf Leinwand eine enorme Suggestivität besitzen, nur dass "Pulsierende Großstadt" etwas überpulst wirkt, als sei das Leben etwas zu elektrisierend.

Von der Ohnmacht in die Abstraktion
Deutliche Anlehnung an Picasso offenbart der Raumgestalter Willi Jung, der mit "Dore Marie und Jaqueline Picasso"  seiner Begeisterung für den spanischen Meister Ausdruck verleiht. Elementar hoffnungslos wird es bei Tilmann Krumray: "Ohnmacht" (Gips aus Bronze) ist eine Skulptur von schreiender Verzweiflung, nackt, mit abgeschnitten Armen und in Ketten gelegten Unterbeinen. Ein wütender Aufschrei – Götter, was hat man mir nur angetan! Hier hilft erst einmal die Flucht ins total Abstrakte, Petra Höckers Mischtechnik auf Leinwand ist eine Erfrischung fürs Auge, das sich gelegentlich einfach nur betören lassen möchte. Mögen die Künstler diese Messe-Show für ihre Selbstvermarktung und Selbstrepräsentation genützt haben. Hoffentlich haben sie im Austausch auch neue Impulse bekommen. Die Räumlichkeiten und die Atmosphäre sind dazu bestens geeignet.

B.AGL Art afFairs – Art Explosion

18. – 22. September 2013

Direktor/Kurator: Thomas Hegemann und Jennifer Spruß

Besucherfazit

Immense schöpferische Vielfalt

Bewertung

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  • Unterhaltung
  • Anspruch
  • Preis/Leistung
  • Atmosphäre

Medien von Steffen Kassel

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