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Livekritik zu

Martin Luther King/Malcom X

27.10.2014 | Hamburg / Fabrik Hamburg
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Marie-Claire
am 29.10.2014

"I have a dream!"

Ich steige aus dem Bus und überkreuze die Barnerstraße um zum Kulturhaus „Fabrik“ zu gelangen. Stunden vorher machte ich mir schon Gedanken darüber, was mich wohl heute Abend hier erwarten würde. Englisches Theater. Ob ich wohl irgendetwas von dem Theaterstück „Martin Luther King / Malcom X“ verstehen werde? Mein Englisch ist – wenn ich ganz ehrlich bin - seitdem ich die Schule verlassen habe, ziemlich eingerostet. Ein Grund mehr sich ein Theaterstück auf Englisch anzusehen! DIE Chance, meine englischen Sprachkenntnisse zu erweitern. Also los! Schon vor der „Fabrik“ tummeln sich Horden von Schülern, die sicherlich verpflichtet wurden, den heutigen Abend im Theater statt gemütlich vorm PC oder vorm Fernseher zu verbringen. Eine erste Erleichterung macht sich in mir breit: Wenn die Zielgruppe des heutigen Abends Abiturienten sind, dann kann sich doch nicht dem schwierigsten Englisch bedient werden, oder doch? Der Kartenabreißer wünscht mir auf jeden Fall „a nice show“ und ich suche mir ein Plätzchen auf der Tribüne am Rande.

Weit und breit nur Schüler – und ich. Nachdem wir von einem dürren Mann mit langem zurückgebundenem Haar Anweisungen erhalten haben, wie wir uns zu verhalten haben – leise sein, ruhig auf den Stühlen sitzen und auf keinem Fall mit dem Sitznachbarn tuscheln – beginnt das Theater. Sklavenarbeit, Rassentrennung und verbale Diskriminierungen: In den Südstaaten der USA scheint es während der 50er und 60er alles andere als demokratisch vor sich zu gehen. Der schwarze Baptistenpastor Martin Luther King, dargestellt von einem gut aussehenden schlanken dunkelhäutigen Mann, setzt sich für die Rechte der afroamerikanischen Bevölkerung ein und muss sich für den Kampf um Gerechtigkeit und Respekt vielen Hürden stellen. Der Bürgerrechtler, sein Wille um ein gerechtes Amerika  und sein gewaltloses Handeln werden von einem ausdrucksstarken Schauspieler nachgestellt, der Körperhaltung, Mimik, Gestik und Tonfall von Luther grandios imitiert!

Heute erfahre ich, dass dunkelhäutige Menschen auf politisch korrektem Englisch als „colored“ bezeichnet werden und „nigger“ während der Sklavenhaltung ausschließlich von Weißen gebraucht wurde. Verschiedene Slangs prasseln aufeinander – Ober- und Mittelschichtenenglisch oder afro- und weißamerikanisches Englisch. Ich lerne mich auf die unterschiedlichen Sprachmelodien einzulassen und merke dabei: Englisch ist doch nicht so schwer, wie gedacht! Durch die vielen Bilder, die auf der Bühne rekonstruiert werden – Boykotte, der Marsch auf Washington oder die Ermordung Kennedys - ist das Theater zu verstehen, selbst wenn nicht jedes englische Wort einem vertraut ist. Dass der Bürgerrechtler Malcom X heute Abend auch eine Rolle spielt, kommt nur am Rande zum Vorschein. Das wäre mein einziger Kritikpunkt, ansonsten blieb mir nichts anderes übrig, als mich gemeinsam mit den begeisterten Schülern vom Platz zu erheben und lautstark zu applaudieren!

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Auch für Nicht-Sprachasse ein lohnenswerter Besuch!

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