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Livekritik zu

Koschere Kuscheltiere

26.07.2018 - 25.08.2018 | Berlin / Malzfabrik
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Marie - Berufskulturistin
am 27.07.2018

Angelockt vom Newsletter des Tagesspiegels besuchte ich zum ersten Mal die Malzfabrik in Berlin-Schöneberg an einem warmen Sommerabend.  Nach einem Spaziergang am See ging es hinein in das riesige Gebäude, das plötzlich eine Tür öffnete, und kurz darauf an einen angenehm kühlen Ort in beachtlicher Dimension.

Wie kann man hier Theater spielen?  Es geht großartig, temporeich, überraschend und originell. Mal grau in grau an der kühlen Wand, mal bunt und schrill mit Musik. In der tragischen Komödie von Lidschreiber geht es um Nathanael, der genau unter einem Staudamm wohnt. Der jüdische Schneider, gemimt von Olaf Meier, der mir sofort ans Herz wächst, lädt sich zum Feiertag Gäste ein, die einerseits verbindend und andererseits polarisierend daherkommen. Er will endlich Feiern solange noch der „Punkt“ an ist. Dabei kreuzen immer wieder Nathan (Simon Altmann) und Vincent (Ralf Blank auch Regie), ein Paketträger und ein Inspektor auf, deren Motivation sich in die Vorbereitungen einzumischen sich nach und nach aufklärt. Lea (Cora Mainz), eine Schauspielerin vom Broadway, ist es in der mit der Freundin geteilten Wohnung zu teuer und erträgt auch die Belästigungen nicht mehr. Sie interessiert sich für die „stylische“ Wohnung und bemerkt eher nur den aktuellen Mieter, anstatt ihn zu beachten. Auch sie ist plötzlich Teil einer Zusammenkunft auf engstem Raum in diesem immer großzügiger werdenden und bald verlierenden Loft. Unter Regenschirmen versteckt und frech erscheinen Trutz (Armin Schiller), Gero (Nikolai Hepp) und Kenan (Benjamin Bronisch), die miteinander verbunden sind und sich auch voneinander abstoßen. Sie spielen und blockieren. Es macht mir Spaß, das besondere Ensemble zu erleben. Altmann bellt und intrigiert, Schiller turnt und schmachtet, Hepp tänzelt und präsentiert, Mainz sucht und sammelt, Blank prüft und  rebelliert, Bronisch greift sich und andere an, Meier ist besorgt und bewusst. Die letzten drei dabei durchgängig präsent.  

Die kühle Bühne, die direkt in den Zuschauerraum übergeht, lässt mich nicht nur beobachten, sondern immer teilhaben an der tiefen und immer wieder neueröffnenden Geschichte, in einem verborgenen Raum.  Jeden Moment kann das Wasser kommen…

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Ein Loft – Ein guter Schneider – Ein tiefes Erlebnis

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