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Livekritik zu

Orgelkonzert mit Axel LaDeur

04.04.2013 | Berlin [ Mitte ] / Französische Friedrichstadtkirche
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Horst Roediger
am 11.04.2013

Europäisches Barock

Axel LaDeur in der Französischen Friedrichstadtkirche Berlin

 

Das monatliche Konzert am ersten Donnerstag auf der Eule-Orgel der Französischen Friedrichstadtkirche am Berliner Gendarmenmarkt bestritt diesmal ein Gast aus Hannover: Axel LaDeur ist gewissermaßen Crossover-Musiker und einerseits seit 1992 Organist der Kreuzkirche in der niedersächsischen Landeshauptstadt, war andererseits bis 2005 musikalischer Leiter der Landesbühne Hannover und hat überdies Orgel-Filmmusik zu filmhistorischen Raritäten wie "Nosferatu" und "Metropolis" herausgebracht.  Sein Vortragsprogramm war diesmal ganz auf den liturgischen Akzent der Woche nach Ostern abgestimmt und verband Werke dreier Komponisten, denen die Orgelliteratur des europäische Barock Entscheidendes verdankt. Er bewies dabei eine besondere Vertrautheit mit den vielfältigen Registerfarben der Eule-Orgel. Klarheit, Transparenz und virtuose Attraktivität prägten seinen Vortragsstil. 

 

Nach einleitenden Erläuterungen vom Konzerthaus-Dramaturgen Dietmar Hiller eröffnete Axel LaDeur den Abend mit einem Präludium in C von Georg Böhm, der von 1661 bis 1733 lebte und vermutlich Johann Sebastian Bach zu seinen Schülern zählte. Die Melodie des Präludiums wird zunächst zurückhaltend angedeutet, dann folgen kräftig bassfundierte Akkorde. Die klare Zeichnung des melodischen Verlaufs und charaktervolle Schattierungen ließen aufhorchen. Danach die Partita über "Herr Jesu Christ, dich zu uns wend": die Orgel klingt klar und kernig, dann in gedämpftem Holzbläserton. Einer dialogischen Passage folgen silberhelle Flötentöne über einer Figur im Bass. Der folgende Orgelchoral kommt sanft hereingeschwebt und überlagert dies mit einer markanten Verzierung. Der Organist kann die einzelnen Akkordelemente gut gegeneinander absetzen, alles wirkt sehr klar und plastisch. 

 

Anschließend waren sechs kurze Orgelchoräle BWV 625 bis 630 aus dem "Orgelbüchlein" von Johann Sebastian Bach zur Auferstehungsgeschichte zu hören, die nach 1708 entstanden sind und mit hellen, freundlichen und festlichen Effekten bis hin zu thriumphaler  Klangbreite aufwarten. Es folgte die frühe Fantasie G-Dur BWV 572, die auch als "pièce d'orgue" bezeichnet wird und in der Tat bereits französischen Farbenreichtum mit transparenter Struktur verbindet. 

 

Damit war der Blick über den Rhein nach Frankreich geöffnet, und nun wurde die "Suite du deuxieme ton" von Louis-Nicolas Clérambault aus dessen "Livre d'orgue" vorgestellt, entstanden etwa 1710. Die einzelnen Teile  der Suite sind den unterschiedlichen Klangfarben typischer Instrumente jener Zeit zugeordnet und ergeben eine reizvolle Abfolge von Charakterstücken. Darunter finden sich anmutige Flötentöne, der Sound des Krummhorns oder ein Vortrag der Quintflöte, der eine Geschichte mit Haupt- und Seitenlinie erzählt. Die Suite schließt mit dem "Caprice sur les grands jeux", eindringlich und prächtig mit kräftigem Bass, der sich unterwegs noch dunkler einfärbt.

 

Den Schluß bildete Johann Sebastian Bachs Präludium und Fuge BWV 547, zunächst eine aufsteigende Linie mit zwischengeschalteten Akkorden, ganz akkurat Stein auf Stein gesetzt, absolut taktgenau und durchsichtig, die Orgel beinahe wieder in ein Instrument norddeutschen Typs verwandelnd. Die regelmäßige Schrittfolge der Fugenstruktur wird zunächst in schmaler Schrift eingeführt, um dann in breiten Linien auszugreifen bis zum ausführlichen Schlußakkord. Viel Beifall für den Hannoveraner Organisten. 

 

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Orgelkonzert mit historischer Farbe: Reizvoll und virtuos

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