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Livekritik zu

Der Rosenkavalier

28.07.2012 - 31.07.2012 | München / Nationaltheater München
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cgohlke
am 11.03.2018

Extratrocken

Kirilll Petrnko dirigiert den „Rosenkavalier“ in München

Seit 1972 steht Otto Schenks Inszenierung des „Rosenkavaliers“ von Richard Strauss auf dem Spielplan der Bayerischen Staatsoper – und noch immer überzeugt diese liebevolle Produktion. Das liegt nicht zuletzt am Bühnenbild und an den Kostümen von Jürgen Rose, die schlichtweg atemberaubend schön sind. Die Liebe zum Detail, die Stimmigkeit der Milieus, die Genauigkeit im Markieren sozialer Unterschiede schon in den Kleidern, das alles ist ungeheuer gekonnt und fürs Auge eine solche Wohltat, dass man dieser Arbeit so leicht nicht überdrüssig wird.

So gut wie in vergangenen Jahren erscheint diese Serie indes nicht einstudiert worden zu sein. Das Spiel der Personen miteinander war bei früheren Aufführungsreiehen (etwa mit Anja Harteros oder auch – vor vielen Jahren schon – Angela Denoke) schon weit genauer und darum eindringlicher als jetzt. Eine geborene Marschallin ist Adrianne Pieczonka wohl auch nicht. Ihre Stimme ist zwar leuchtend und kraftvoll (und ziemlich hell für diese Partie), aber sie bleibt im Ausdruck musikalisch und darstellerisch ein wenig blass und eindimensional. Es fehlen die Schattierungen. Die Melancholie ihres großen Monologes im ersten Akt will man ihr nicht so recht glauben, und allzu leichtherzig wirkt der Abschied von ihrem jugendlichen Geliebten im Finale des dritten Aktes. Angela Brower, die als Typ sehr gut in diese Hosenrolle passt, sang den Octavian mit wiederum fast zu heller, aber beweglicher Stimme und komödiantischem Talent. Browers Stimme harmonierte sehr schön mit dem glockenhellen, schwebend leichten Sopran der Hanna-Elisabeth Müller. Ihre Sophie war die überzeugendste Leistung des Abends. Hingebungsvoll zart im Zusammenspiel mit Octavian, aber temperamentvoll im Widerstand gegen den Herrn Papa (beeindruckend klar gesungen von Markus Eiche) und den künftigen Verloten, Baron Ochs, dem Peter Rose darstellerische und stimmliche Präsenz zu verleihen wusste.

Dass dieser „Rosenkavalier“ trotz eines guten Ensembles (auch die kleineren Nebenrollen waren stark besetzt) nicht so recht unter die Haut gehen wollte, lag am Dirigat von Kirill Petrenko. Nach seinem „Ring“ zu Beginn des Jahres, in dem er weit freier musizieren ließ als in vergangenen Spielzeiten, konnte man auf seinen neuen „Rosenkavalier“ gespannt sein. Und zu loben gibt es daran wahrlich genug: Die Präzision, die Vielfarbigkeit, die genaue Ausleuchtung der Orchesterstimmen. Dennoch: Seinem „Rosenkavalier“ fehlt etwas Entscheidendes. Charme, Atmosphäre, Aura. Er wählt fast durchweg sehr zügige Tempi und bevorzugt einen hellen Orchesterklang. Nichts wäre dagegen einzuwenden, wenn dabei nicht die Walzerseligkeit, die süße Schwere und manchmal auch das Derbe dieser Musik auf der Strecke blieben. Zwei Beispiele: Wenn sich nach Ochsens Prahlereien im 1. Akt („Wollt ich könnt sein wie Jupitel selig“) die Szene zum Terzett steigert, so kann diese kleine Stelle hinreißend schwungvoll sein, bleibt bei Petrenko aber, der nüchtern den Takt schlägt, staubtrocken. Später dann, wenn die Marschallin allein ist und sich an ihre Vergangenheit erinnert („Kann mich auch an ein Mädel erinnern“), so müsste ihr Monolog doch versonnen, gleichsam wehmütig lächelnd klingen. Aber leider entfaltet sich hier gar kein Zauber. Genauigkeit ist eben nicht alles, ja manchmal kann sie sogar hinderlich sein. Man möchte Kirill Petrenko raten, seinem phantastischen Orchester ein wenig mehr zu vertrauen und die Zügel nicht allzu straff in der Hand zu halten. Natürlich ist so etwas auch Geschmackssache. Und die hier erhobenen Einwände, das gebe ich zu, sind Klagen auf höchstem Niveau.

München, 9. März 2018

 

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Der Rosenkavalier. 2. Akt. Ausstattung Jürgen Rose
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