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august14979
am 27.06.2018

Philipp Stölz mag es hübsch bunt und das ist wohl der Grund, warum er Gounods „Faust“ in Teilen wie eine Broadway-Revue inszeniert – mit überdimensionierter Hochzeitstorte oder greller Leuchtreklame. Die Hauptakteure, den Doktor und Mephisto, steckt er in Glitzergewänder und lässt den Teufel wie einen Entertainer agieren. Die Drehbühne bewegt sich fast ohne Unterlass und präsentiert den Chor durchweg mit Gesichtsmasken. So hantiert die Inszenierung mit allerlei ungewöhnlichen Einsprengseln, die aber insgesamt schlüssig erscheinen.

Im 1. Akt packt Stölzl den Faust in einen Krankenfahrstuhl, lässt ihn als einen gesundheitlich marodes Gespenst am Tropf auftreten. Zugleich schwebt im Hintergrund die im Kerker schmachtende Marguertite vorüber. Auftritt Mephisto: Faust schält sich aus seiner Siechenverkleidung und strebt mit dem Satan neuen, vorwiegend lüsternen Ufern zu. Der durchgängig ab dem 2. Akt fallende Schnee und die winterliche Bühnenlandschaft entsprechen der frostigen Stimmung, die die gebeutelte Marguerite empfindet. Schließlich hat sie der teuflische Schwerenöter Faust lediglich als Lustobjekt gesehen und die nunmehr Schwangere mit ihrer Herzensnot allein gelassen.

Jacques Lacombe bringt das Orchester so richtig in Fahrt. Stimmlich kann Nicole Car als Marguerite in jeder Hinsicht überzeugen. Gleiches gilt für Vasilisa Berzhanskaya in der Rolle des unglücklichen Verehrers Siebel. Alex Espositos Bassbariton passt perfekt zu Méphistophèlés. Der amerikanische Tenor Charles Castronovo als Dr. Faust kann da nicht ganz mithalten. Der Chor ist (wie fast immer) Weltklasse und muss sich, wie heutzutage erwartet wird, sich auch schauspielerisch einbringen. Das gelingt in Stölzls Inszenierung ausgezeichnet.

Nicht jede Umsetzungsidee zündet, z.B. das Gretchen, das als Double zuweilen im Schatten von Nicole Car auf der Bühne erscheint. Aber über die drei Stunden Dauer gesehen war es dann doch die „Grand Opérà“, die sich ein Charles Gounod so vorgestellt hat.

 

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Ein Opernklassiker in Stölzl-Bühnenoptik

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Titel: 
Faust
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Ort: 
Deutsche Oper Berlin
Zeitraum: 
26.06.18

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