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AIDA

25.08.2017 | Salzburg / Salzburger Festspiele
Beschreibung: 

„Ich muss ihn lieben, doch er ist ein Feind, ein Fremder!“

Nach dem Krieg ist vor dem Krieg. Denn ein Krieg folgt auf den anderen: Kriege zwischen Nachbarstaaten, zwischen Machteliten oder Potentaten, gern befürwortet und unterstützt oder gar betrieben von den geistlichen Anführern der verschiedenen Länder. Das erfordert natürlich Einsatz und Hingabe von den Untertanen sowie absolute Loyalität jedes Einzelnen mit den Staatsinteressen. Für individuelle Lebensentwürfe, eigene moralische Vorstellungen oder gar Gefühle ist da kein Platz. Stattdessen wird der (kleine) Mensch zwischen den unterschiedlichen Machtinteressen der Herrschenden zerrieben. Das ist eine Geschichte, die in Verdis Oper von Aida, Radamès und Amneris sowie ihren leiblichen wie geistigen Vätern, dem ägyptischen König (dem namenlosen), Amonasro und dem Oberpriester Ramfis, erzählt wird.
Eine andere handelt von unerbittlichen Familienkonstellationen, wie etwa die jüngere Generation unter den Folgen der elterlichen Entscheidungen und Taten zu leiden hat und schuldlos in (Gewissens-)Konflikte getrieben wird, die nicht zu lösen sind. Wen es am härtesten trifft, ist gar nicht auszumachen. Aida, die als Sklavin am ägyptischen Hof leben muss, weil sie die Königstochter aus dem feindlichen Äthiopien ist? Sie hat sich, gepeinigt von Schuldgefühlen, in den ägyptischen Heerführer Radamès verliebt und wird von ihrem Vater Amonasro instrumentalisiert, um die militärische Strategie des feindlichen Heeres in Erfahrung zu bringen. Oder ist es Amneris, die ägyptische Königstochter, die zwar mit allen Mitteln, aber vergeblich um ihre Liebe zu Radamès kämpft? Dabei versucht sie, ihre Rivalin Aida rücksichtslos kaltzustellen, und muss schließlich, in später Einsicht, feststellen, dass auch sie selbst einem gnadenlosen Machtkartell von Priestern und Kriegern ausgeliefert ist. Oder ist es der junge Radamès, der den väterlichen Autoritäten so perfekt, so erfolgreich dient, um schließlich beim Kampf um sein privates Glück ins Straucheln zu geraten und von denselben „Vätern“ mit dem Tode bestraft zu werden?

Aida ist Giuseppe Verdis drittletzte Oper – ihr folgten in großem Zeitabstand nur noch Otello und Falstaff nach Shakespeare. Dass Aida ihre erfolgreiche Uraufführung 1871 am damals neuen Opernhaus in Kairo erlebt hat, ist hinlänglich bekannt. Die zäh sich haltende Behauptung, sie sei zur Eröffnung des Suezkanals komponiert worden, ist jedoch falsch. Man hatte Verdi lediglich um eine feierliche Hymne gebeten, aber der lehnte ab. Er sei schließlich kein Komponist für „Gelegenheitsstücke“.
Initiatoren für Aida waren der ägyptische Khedive Ismail Pascha mit seinem Wunsch nach einem Werk, das auf rein ägyptischen Quellen basieren sollte, sowie der berühmte französische Archäologe Auguste Mariette, der vor der Abfassung des ersten Aida-Szenariums das halbe antike Ägypten ausgegraben hatte. Tatsächlich hat Verdi während der Vorbereitung auch Erkundigungen über ägyptische Geografie, religiöse Traditionen und antike Musikinstrumente eingeholt, was sich in den sogenannten „ägyptischen Trompeten“ niederschlug, die eigens für den berühmt-berüchtigten „Triumphmarsch“ entworfen wurden und vor allem optisch an altägyptische Instrumente erinnern. Wer Verdis Musik aufmerksam hört, weiß aber, dass es dem Komponisten nicht um musikalisierte Historie ging, sondern – wie in so vielen seiner Opern – um Kritik an einer menschenverachtenden Gesellschaft, diesmal eben im ägyptischen Gewande.

Aida sei „Verdis schönstes Werk“, schrieb der zeitgenössische Komponist Dieter Schnebel und pries ihre Musik als „ein warmes Humanum, welche das menschliche Leiden des Einzelnen wie der Vielen in Natur und Welt zur künstlerischen Utopie von tragischer Schönheit wie schöner Tragik überführt“.

Bettina Auer

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21.09.2017

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