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Livekritik zu

Guillaume Tell

28.06.2014 - 25.01.2015 | München / Nationaltheater München
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cgohlke
am 04.07.2014

Kittelschürzen und Wollpullunder

„Guillaume Tell“ an der Bayerischen Staatsoper

Zugegeben, es ist schon faszinierend, dieses Bühnenbild von Florian Lösche. Metallisch schimmernde Säulen, die vom Schnürboden herabgelassen werden, setzen sich zu immer neuen Formen zusammen, mal umgrenzen sie eine Art von Forum, mal deuten sie, zur Szene passend, einen Wald oder ein Haus an. Michael Bauer beleuchtet die Szenerie zudem stimmungsvoll und abwechslungsreich. Nur schade, dass es Antú Romero Nunes nicht gelingt, die Figuren der Oper zum Leben zu erwecken. Was er bietet, ist nichts als ödes Rampentheater. Über peinliche Klischees kommt er bei der Personenführung kaum hinaus. Hinzu kommt, dass seine Idee, Rossinis Oper in die 1960er Jahre zu verlegen, nicht überzeugt, dem Zuschauer aber unsäglich hässliche Kostüme (Kittelschürzen und Wollpollunder) zumutet.

Überzeugen konnte hingegen die Besetzung dieser Festspielproduktion, und zwar nicht nur in den großen, sondern auch in den kleineren Rollen. Christian Rieger gefiel als durchdringender Leuthold ebenso wie Evgeniya Sotnikova als hellstimmiger, knabenhafter Yemmy oder Günther Groissböck als düsterer Gesler und Jennifer Johnston als markante, dunkel timbrierte Hedwige. Bejubelt wurden aber vor allem Michael Volle, der einen recht griesgrämigen Tell spielt, aber mit prachtvollem Bariton singt, Bryan Hymel, der mit strahlendem Tenor die vielen Höhen der Partie (Arnold) souverän meistert, und schließlich Marina Rebeka als Mathilde, die mit stets sicher geführtem Sopran nicht nur wunderbar zarte Töne findet, sondern auch den schwierigen Läufen technisch vollauf gewachsen ist. Gewünscht hätte man dieser großartigen Besetzung einen sensibleren Dirigenten. Rossini klingt unter Dan Ettinger doch eher grobschlächtig und ungenau. Auch die Abstimmung mit dem nicht immer ganz homogen klingenden Chor (Sören Eckhoff hat ihn einstudiert) will nicht immer so recht glücken. Rechter Festspieljubel wollte sich bei den Zuschauern am Ende nicht einstellen.

Besucherfazit

Große Besetzung, matte Regie

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