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Livekritik zu

FIDELIO

28.06.2014 - 12.07.2014 | Cottbus / Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus
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august14979
am 22.07.2014

Das von mir sehr geschätzte Cottbusser Staatstheater spielte am geschichtsträchtigen Ort: Zu Zeiten des „real existierenden Sozialismus“ saßen hier überwiegend politische Häftlinge ein, und nachdem der Häftlingsfreikauf angelaufen war, galt dieser Knast als wahrer Devisenbringer für die klamme DDR-Staatskasse.

Für Beethovens einzige Oper „Fidelio“ kann es kaum einen geeigneteren Ort geben. Die schwarz uniformierten Wachmannschaften, Gewehre geschultert, die den Besucher auf dem Zuchthaus- und inzwischen Gedenkstättengelände empfangen, wirken mindestens respekteinflößend. Die düstere Stimmung wird unterstützt durch aus Lautsprechern ertönende Marschtritte und Kommandorufe.

Das war es aber auch schon mit der Einstimmung auf die Gefängnisoper, denn kaum hatte das Publikum die Tribünenplätze eingenommen, setzte Regen ein. Auf die beschwichtigenden Worte des Vertreters der Intendanz („Wir warten noch zehn Minuten“) wurde der Regen heftiger. Folge: die Besitzer teurer Karten zogen um ins Stammhaus des Staatstheaters am Schillerplatz, die Billigkartenbesitzer trabten zur Kasse, um sich das Geld erstatten zu lassen. Bis zum „Umtopfen“ der Besucher unter die schützende Bedachung im Jugendstil-Ambiente verging eine Stunde, denn nicht alle Karten ließen sich eins-zu-eins auf die Plätze im Theater umsetzen. Erst gegen 22.00 Uhr konnte das an diesem Abend glänzend eingestimmte Philharmonische Orchester unter Evan Christ die Ouvertüre intonieren. - Ein Rat an die Leitung des Hauses sei mir gestattet. Ich habe volles Verständnis dafür, einen als Open Air-Aufführung angesagten „Fidelio“ auch so stattfinden zu lassen. Jedoch hätte ein Blick auf die Regenradar-App des Mobiltelefons oder eine Rücksprache mit dem örtlichen Wetterdienst völlig ausgereicht, um zu erkennen: damit wird’s heute nichts. Von daher war das etwas bockige Hoffen auf trockenes Wetter eine völlig unsinnige und überflüssige Zeitverschwendung.

Nun zur Inszenierung. Die Bühnenaufbauten glichen denen des Zuchthauses Cottbus. Und die sängerischen Leistungen des Stammensembles konnten durchweg mehr als überzeugen. Andreas Jäpel als Bösewicht  Don Pizarro ist ein fulminanter Bariton. Auch Jörn E. Werner als Rocco war gut bei Stimme – und Figur. Bei allen wurde auch schauspielerisches Agieren von der Regie eingefordert. Die beiden Gaststimmen Miriam Gordon-Stewart (Fidelio/Leonore) und Craig Bermingham (Florestan) blieben dagegen etwas hinter meinen Erwartungen zurück. Der Opernchor, erheblich  verstärkt durch weitere Chöre und Gesangvereine und vor allem durch ehemalige Gefangene des Zuchthauses Cottbus, brachte eine gänsehauterzeugende Klangfülle ins Haus.

Sicher hätte dieser „Fidelio“ im Open-Air-Gewand an der vorgesehenen Spielstätte noch eindrücklicher gewirkt. Aber gegen die Wetterunbilden kämpft man halt vergebens.

Besucherfazit

Eindrucksvoller Ruf nach Freiheit

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