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Livekritik zu

ERLKÖNIGS TÖCHTER

10.11.2014 | Berlin [ Charlottenburg ] / orangelab
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Daniel Anderson
am 25.09.2014

ERLKÖNIGS TÖCHTER

Die Idee, deutsche Balladen – gesprochen, gesungen, gespielt – mal wieder das Scheinwerferlicht eines Theaterabends spüren zu lassen, ist so berückend einfach, dass lange niemand darauf gekommen ist. Die ARTRES-Truppe um die Schauspielerin, Sprecherin und Regisseurin Iris Artajo bietet mit ERLKÖNIGS TÖCHTER ein Stück Eskapismus in eine, so scheint es zumindest zuweilen, längst vergessene Welt der Märchen, der Poesie, der vergnüglichen Belehrung und der Sinnlichkeit.

Neben der Prinicipalin des Ensembles erlebt man Gundi Eberhard – Schauspielerin, Sprecherin und ebenfalls Regisseurin, die Schauspielerin Claudia Jakobshagen und Vera Claus als brilliante musikalische Leiterin am Klavier.

Dem Ensemble gelingt es scheinbar mühelos den Zuschauer, der bei diesem Programm auch ganz gleichberechtigt Zuhörer ist, mit jedem neuen Vortrag einzufangen. Die Inszenierung weiß mit der enormen Präsenz der Akteure zu spielen. Da wird gelockt, koketiert, ermahnt, umschmeichelt und verführt, man darf sich mit Eichendorff ganz der Melancholie hingeben, mit Schiller, Goethe und Heine in Romantik schwelgen und mit Kästner schmunzeln. Durchaus wissen die Schauspielerinnen durch den modernen Ansatz eine ironische Distanz aufzubauen – auch das ein Vergnügen. Die Darstellerinnen spielen MIT ihrem Typ, aber auch häufig genug dagegen an. Es ist spannend und vor allem unterhaltsam diese zweite Ebene zu entdecken. Die Texte und Lieder werden über intelligente und sinnlich-konkrete Vorgänge präsentiert. Die Spannungsbögen, die mit dieser Art und Weise des Vortrags entstehen, öffnen Geist, Blick und Ohr. Die erzählenden Arrangements offenbaren die Spielfreude, die die Schauspielerinnen haben. Die Konzeption des Abends erschließt sich wie nebenbei, ohne dass sie dem Zuschauer aufgedrängelt wird.

Man wird zum Mitsingen animiert, was ausdrücklich erwünscht ist. Nicht ganz so textsicheren Besuchern des Stückes hilft der Einlegezettel im Programmheft, auf dem einige der Liedtexte abgedruckt wurden.

Ich sah eine ausverkaufte Vorstellung im Souterrain des Französischen Doms am Gendarmenmarkt in Berlin. Der Raum schien vor allem akkustisch nicht besonders geeignet zu sein. Dass es dem Ensemble trotzdem gelungen ist, niemanden unterwegs zu verlieren, unterstreicht die außerordentliche Qualität der Truppe.

Nächste Vorstellung: 10.11.2014 im Rahmen des Festivals "30 Tage Kunst" im OrangeLab am Ernst-Reuter-Platz in Berlin.

http://artres-berlin.de

http://orangelab.de

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Erlkönigs Töchter
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