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Livekritik zu

Der Gott des Gemetzels

23.11.2013 - 26.12.2017 | Hamburg [ Mitte ]
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Marie-Claire
am 14.07.2014

Zankereien und Eskalation

 

Sechs Stühle stehen auf der Bühne. Farblich dominiert olivgrün und strahlendes weiß das Wohnzimmer der Familie Houillé. Zwei Ehepaare sitzen in besonders höflicher, zuvorkommender Haltung da. Was ist geschehen? Was ist der Anlass? Kurzgefasst der kleine Junge der Gastgeber-Familie, Bruno, wurde zusammengeschlagen. Aber so richtig. Und zwar von Ferdinand, dem Jungchen von Annette und Alain. Zwei Schneidezähne fehlen und deshalb wurde zum gemeinsamen Elternrat einberufen. Doch was als ursprünglicher Versöhnungstreff ausgehängt wurde, verändert sich rasch in eine Zankerei mit Steigungsgrad. Es ist unglaublich, wie heute Abend mit Klischee-Elternbildern gespielt wird. Besorgte Eltern, die sich vor einer Rebellen-Zukunft ihres Sohnes fürchten. Aggressive Eltern, die ihren „lieben“ Sohn in Schutz nehmen wollen. Nostalgische Eltern, die in ihrer Kindheitserinnerung schwelgen. Nach und nach kristallisieren sich die stark unterscheidenden Charakterzüge der einzelnen Akteure heraus. Was für Schauspieltalente, die sich in so markante Persönlichkeiten hineinversetzen können! Eine sehr belesene kunst-versessene Schriftstellerin trifft auf einen geldgierigen skandalösen Juristen. Moral-Vertreterin begegnet einem egomanischen Handy-Süchtigen. Da ist Streit vorprogrammiert! Doch nicht nur zwischen Ehepaar Eins und Ehepaar Zwei kommt es zu Kriegereien. Auch in den eingerosteten Ehen spürt der Zuschauer Reibungen. Trotz des einfältigen Bühnenbildes und der Dialogdominanz schaffen es Markus John, Anja Laïs, Maria Schrader und Michael Wittenborn die Spannung durch das gesamte Theaterstück zu halten. Wie ist ein interessantes Gesprächs-Theater möglich? Na ja, durch Alkohol zum Beispiel. Im Laufe des Gesprächs - welcher Junge trägt jetzt wirklich die Schuld – steigert sich auch der Alkoholkonsum der Ehepaare. Von Clafoutis – einer französischen Nachspeise – bis zum Whiskey. Gastfreundlichkeit kommt hier nicht zu kurz. Rülpsend und kotzend, von der Ausgangssituation ist nichts mehr zu sehen. Tulpen fliegen durch die Lüfte. Kunstbücher werden zerstört. Das Quartett weiss, wie die Zuschauer auf Trab gehalten werden können. Das größte Problem scheint am Ende der tote Hamster zu sein. Denn DER wurde von den Opfer-Eltern herzlos vor die Tür gesetzt. Wen nicht da die Verantwortungslosigkeit ganz bei Veronique und Michel ist, dann weiss ich auch nicht weiter…

 

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