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Livekritik zu

Mahler III

10.02.2013 - 26.04.2013 | Bremen / Theater am Goetheplatz Bremen
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Sarah Maria
am 12.04.2013

Wer Mahlers III. erwartet hat – wurde nicht bedient. Zumindest nicht wirklich. Denn es gab Mahler in seiner Gesamt-Skurrilität. Einen Klangwald für innen und außen:

Zu Beginn wurden alle Besitzer einer Parkett-Karte über die Seitenbühnen auf die, mit dem eisernen Vorhang noch vom Zuschauerraum getrennte, Bühne geschleust. Dort, in diesem noch undefinierten Raum, stellte sich schnell so etwas wie ein allgemeines Fragezeichen ein: Was soll ich hier, was mach ich hier und überhaupt? Alle irrten einigermaßen ziellos über die kahle Bühne und suchten nach dem Sinn dahinter. Da Theater- und Operngänger in der Regel aber geübt in solchen Situationen sind, war allen recht schnell klar, dass genau dieses Fragezeichen der Sinn war. So auch mir. Also habe ich mich irgendwann mittig auf die Bühne gestellt und abgewartet. Das führte allerdings dazu, dass einige doch noch einen weiteren Anlauf Richtung Sinn Exploration unternahmen. Das äußerte sich darin, dass ich von diversen Personen gefragt wurde, ob ich zum Stück gehöre, sprich Schauspielerin sei. Erkanntes Fragezeichen hin oder her: Die Frage nach dem Sinn lässt sich offensichtlich nicht so mir nichts, dir nichts unterdrücken. Irgendwie beruhigend. Wie ich finde.

Nach etwa 20 Minuten öffnete sich dann der eiserne Vorhang und die vollbesetzen Ränge starrten erwartungsvoll auf die Bühne – während wir von der Bühne erwartungsvoll auf die vollbesetzen Ränge starrten. Wer wollte konnte nun seinen Platz im Parkett einnehmen – oder aber auf der Bühne bleiben: stehend, sitzend, liegend – ganz nach Belieben. Hurra!! Das Orchester fuhr von hinten auf die Bühne.

Vervollständigt wurde das Konzept (Benedikt von Peter) durch Videoinstallationen auf der Bühne und auch im Zuschauerraum. Es wurden vornehmlich Wanderungen gezeigt. Naturausflüge. Gipfelkreuze. Angelausrüstungen. Rodelpisten. Aber auch: „Noch 1286 Takte bis zum neuen Menschen“ . Währenddessen erkundete ein „Zukunftsmensch“ (Nadine Geyersbach) Publikum und Umgebung. Schließlich zog sie sich in ein kleines Hüttchen, aufgebaut im Zuschauerraum, zurück. Bis zum Auftauchen von Nadja Stefanoff, die den Gesangspart in Mahlers III. übernahm.

Wie gesagt, wer einfach „nur“ der Musik lauschen will, ist im Bremer Theater falsch aufgehoben (und das „nur“ meine ich keinesfalls reduzierend, denn Mahler zu hören ist in jedem Fall erstrebenswert).  Vielmehr werden neue Hörmöglichkeiten und Wege dahin geöffnet und geebnet.

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Besonders für Mahler-Neulinge ein Muss!

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