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Livekritik zu

Cabaret

19.12.2014 | Essen / Grillo-Theater (Schauspiel Essen)
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Sarah Dickel
am 22.12.2014

Willkommen, Bienvenue, Welcome!

Das Cabaret hat seine Toren im Essener Grillo Theater geöffnet und der Conférencier, gespielt von Jan Pröhl, lädt zum Verweilen ein. Pröhl nimmt sie mit in das Berlin der späten Zwanzigerjahre, geprägt von Lebenslust, Ekstase, Spaß, aber auch der sich abzeichnenden Politik des Nationalsozialismus. Und der Conférencier selbst spielt dort eine nicht gerade unwichtige Rolle.  Pröhl mimt den schmierigen, leicht nationalsozialistisch-angehauchten Cabaretbesitzer so überzeugend, dass der Zuschauer puren Ekel empfindet, wenn er ihn nur sieht.  Aber wegschauen kann der Zuschauer auch nicht, dafür spielt er den Widerling einfach zu glaubhaft.

Der junge Amerikaner Cliff Bradshaw, der von Thomas Meczele gespielt wird, reist nach Berlin um sich dort Inspiration für seinen Roman zu holen. Inspiration findet er auch, allerdings in Form der attraktiven Barsängerin Sally Bowles, die von der grandiosen Janina Sachau verkörpert wird. Sie schafft es der Rolle der einfachen, leicht naiven und dennoch gerissenen Nachtclubsängerin überzeugend Leben einzuhauchen. Mit ihrer grandiosen Stimme haucht sie den Klassiker „Life is a Cabaret“ und ist definitiv als eines der Höhepunkte des Abends zu bezeichnen.

Aber auch die Liebesgeschichte um die Pensionwirtin Fräulein Schneider, gespielt von Ingrid Domann und dem Obsthändler Herr Schultz, verkörpert durch Rezo Tschchikwischwili entlockt ein Lächeln. Zauberhaft, wie die beiden umeinander herumscharwenzeln und sich dann ihre Gefühle gestehen. Tschchikwischwili will der Zuschauer sofort als Ersatz-Opa adoptieren. Zu süß, wie er seinen zweiten Frühling erlebt und um die Hand der verehrten Fräulein Schneider anhält. Doch das Glück der Beiden hält nur kurzzeitig, denn, im Berlin der Endzwanziger Jahre herrschte schon eine brodelnde Stimmung: Der Nationalsozialismus ist schon auf dem Vormarsch und Herr Schultz ein Jude. Etwas anders wird einem schon, wenn dann die Klänge der verbotenen Strophe der Nationalhymne „Deutschland, Deutschland über alles“ erklingen und das Ensemble den Hitlergruß macht. So ist es eben nicht nur ein Gute-Laune-Stück, sondern regt zum Nachdenken an und stellt eine gelungene Reflexion der damaligen Zeit dar.

Und leise haucht der Conférencier zum Abschied: Au revoir, Goodbye, Auf Wiedersehen.

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Eine Geschichte zu Zeiten des Umbruchs!

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