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Livekritik zu

der zauber/berg

21.08.2013 - 22.09.2013 | Hamburg [ Mitte ] / Hamburger Sprechwerk
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Napp Flaska
am 23.09.2013

Hamburger Sprechwerk, "der zauber/berg" Donnerstag, den 19.09.2013

Ein Sanatorium hoch in den Schweizer Alpen, in Davos, ist der Hauptschauplatz des der Theaterfassung "der zauber/berg" zugrunde liegenden 1924 erschienenen Romans "Der Zauberberg" des jungen Thomas Mann. Ein vielleicht klaustrophobischer Ort, auf jeden Fall eine Stätte, die zumindest im Roman eine eisige Ausstrahlung der Lähmung, des Zeitstillstands hat, in dem die berühmten Gespräche zwischen dem jungen Helden Hans Castorp, Settembrini, Madame Chauchat, dem Vetter Joachim Ziemßen und Dr. Krokowski über den Fortschritt, die Freiheit, den Aberglaube, die Menschenseele, die Krankheit als Weg und manche anderen philosophischen Themen stattfindet.

Das Bühnenbild der Inszenierung im Hamburger Sprechwerk war schlicht gehalten. Ein paar Stühle, Mikrofone, durch die der Hintergrundtext zwischen den Dialogen von den Schauspielern vorgelesen wird, ein einfaches, sich im gesamten Verlauf, wie man meinen möchte, nicht veränderndes grelles Licht und eben ein Bühnensteg, der durch die Zuschauerreihen führt. Die Bühnenmittel, mit denen das Sanatorium "Berghof" nachgestellt wurde, wurden nicht ausgeschöpft. Eine Veränderung des Lichts, ein Bühnenumbau, eine Andeutung mehr, um die siebenjährige tristess von Castorps Berghoferfahrung aufzuzeigen, wären manchmal wünschenswert gewesen.

Zeit als dehnbares Phänomen wird in der Inszenierung leider nicht spürbar, das ist geradezu ein Wunder. Selbst zu Beginn, als Joachim und Hans nebeneinander sitzen. Schweigen. Eine, zwei, drei, vier Minuten vergehen, und die Zuschauer ahnen eher, was sich die Regisseurin Gaby Schelle hier ausgedacht hat, als dass sie es empfinden. Der Aufführung liegt eine gewisse Nervosität zugrunde, die dem Tempus nicht gerade zugutekommt.

Der Roman als Anti-Bildungsroman, dessen zentrale Themen die Gespräche zwischen dem Mentor Settembrini und Castorp über die Themen Krankheit und Tod sind, ist in der Ausarbeitung der Figuren äußerst pointiert. Castorp verkörpert die blasse Mittelmäßigkeit des Bürgertums. Settembrini vertritt intellektuelle Lebensbejahung und Joachim Ziemßen steht für das Pflichtbewusstsein. Das klingt zwar einfach, aber Mann ist eben Mann und das wirkt sich in einer großartigen Formulierungskunst des Lübeckers aus.

Um so bedauerlicher ist es, dass in dem Stück "der zauber/ berg" des "Hamburger Sprechwerk" die Figuren blass und beziehungslos nebeneinander stehen. Die Rückkehr von Ziemßen, sein Tod werden dramaturgisch nicht in das Stück eingebaut. Und die Mittelmäßigkeit und Blässe der Figur Castorp wirkt zu leider real, so als könnte der Schauspieler Guido Bayer ihr einfach nicht mehr Leben einhauchen. Aber die Schwäche hier liegt wohl eher darin, dass das Regiekonzept nicht ganz ausgereift wirkt. Christian Nisslmüller dagegen glänzt in der Rolle des Settembrini und auch Jasmin Buterfas Interpretation von Dr. Krokowski ist umwerfend.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass ein bisschen mehr Verve oder Mut zum Experiment der Inszenierung sicherlich gutgetan hätte.

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