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Livekritik zu

Unsere Frauen

26.10.2014 - 25.10.2015 | Hamburg / Hamburger Kammerspiele
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A.-K. Iwersen
am 27.10.2014

Am vergangenen Sonntag feierte das Stück „Unsere Frauen“ des französischsprachigen Bühnenautors Éric Assous unter der Regie von Jean-Claude Berutti in den Hamburger Kammerspielen Premiere – es war zugleich die deutschsprachige Erstaufführung dieses Stücks.

Assous‘ Stück handelt von drei Freunden Max (Dieter Laser), einem Radiologen, Paul (Mathieu Carrière), einem Rheumatologen, und Simon (Ulrich Bähnk), Besitzer von zwölf Friseursalons. Regelmäßig – und so auch an diesem Abend – treffen sich die drei Freunde zum gemeinsamen Pokerspiel bei Max. Doch Simon kommt, bereits vollkommen betrunken, mit 50 Minuten Verspätung an – und erklärt frei heraus, er habe gerade seine Frau umgebracht. Nun bedarf es einer Lösung, denn Simon hat nicht die Polizei verständigt, sondern ist vielmehr direkt zu seinen Freunden gefahren. Diese bittet der selbstverschuldet (oder doch etwa nicht?) in Not geratene um ein falsches Alibi. Diese Ausgangslage bietet den Anlass für ein eine ganze Nacht währendes Gespräch über Ehefrauen, Freundschaft, Pflicht und Moral. Die nur scheinbar überraschende Wende am Ende der mehr oder minder durchwachten Nacht ahnt der Zuschauer bereits zu Beginn des Stückes, so dass die ohnehin eher spärliche Handlung eher vorhersehbar ist. Der Fokus von „Unsere Frauen“ liegt denn freilich auch auf dem Dialogischen. Hier glänzt es mit brillanter Komik, insbesondere im ersten und letzten Drittel des Stücks. An der einen oder anderen Stelle driftet das Komische etwas ins Klamaukige ab – das macht aber nichts. Die größte Schwäche liegt in den ernsteren Passagen. Hier gelingt es den Dialogen nicht, die Tiefe der Situation auszuschöpfen; sie bleiben im wesentlichen bei der Wiederholung der immer gleichen moralischen Sentenzen stehen. Das ist schade, denn so bleibt das Stück an der Oberfläche und ist streckenweise dann auch doch ein wenig ermüdend.

An der Inszenierung von Jean-Claude Berutti ist dennoch absolut nichts zu kritisieren – Dieter Laser, Mathieu Carrière und Ulrich Bähnk spielen alle drei gleichermaßen frisch und dynamisch und wissen die Komik, die „Unsere Frauen“ trägt, wirkungsvoll umzusetzen, so dass die Zuschauer einen kurzweiligen Abend erleben und viel und herzlich lachen dürfen.

Sehr erquicklich ist auch das Bühnenbild, das Maxens kühl-elegant eingerichtetes Pariser Apartement vorstellt und dessen Charakter trefflich spiegelt. Anders als bei den meisten Bühnenbildern schaut man hier auch mal gerne auf die Bühne - doch das Lobenswerte am Materialen auf der Bühne erschöpft sich nicht in bloßen ästhetischen Wohltaten. Auch der Umgang mit den Requisiten Stehlampe und Bild von Max und seiner Freundin ist symbolträchtig; so wird der leuchtende weiße, trockenhaubenförmige Schirm zu einem Heiligenschein, wenn Max, in einem Dialog über moralische Pflichten, mit dem Kopf direkt unter den Schirm tritt. Hier greifen alle Elemente des Bühnengeschehens ineinander – was also wollte man mehr!

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Trotz kleiner Schwächen des Textes: witzig, spritzig und gekonnt umgesetzt! Anschauen!

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