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Livekritik zu

Der Auftrag von Heiner Müller - Teil der -Festspiele

23.02.2013 - 14.04.2013 | Berlin / bat-Studiotheater
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Horst Roediger
am 19.03.2013

Die Revolution ist abgesagt
Ein gemischtes und gleichwohl sehr homogenes Team aus Schauspielstudenten des 3. Studienjahres von UdK und Hochschule "Ernst Busch" geht an den Start, um Heiner Müllers Stück "Der Auftrag" aus dem Jahre 1980 auf die Bühne zu bringen, das sich mit visionärem Weitblick und in poetisch überhöhter Sprache dem Schicksal von Revolutionen in dieser Welt zuwendet. Der Kern der Handlung besteht darin, dass drei französische Revolutionäre von einem Direktoriumsmitglied namens Antoine nach Jamaika geschickt werden, um dort unter den dunkelhäutigen Sklaven eine Rebellion auszulösen. Bevor sie allerdings ihren Auftrag erfüllen können, hat sich der Wind schon wieder gedreht, und Napoleon hat der französischen Revolution eine Restauration entgegengesetzt - es "gibt wieder Herren und Knechte". Auftraggeber Antoine verrät im Zeichen dieser Wende die Ideale der Revolution und gibt sich in schönster Bürgerlichkeit dem angenehmen Leben hin. Was bleibt, ist die Frage, ob daraus so etwas wie ein unerledigter Auftrag in Sachen Revolution resultiert. 

 

Gespielt wird mit Hingabe, Talent und vollem Körpereinsatz. In der Regie von Magali Tosato beginnt das Stück mit dem Schluss, als die Überlebenden von Jamaika versuchen, ihren unerfüllten Auftrag an Antoine(Anton Weil) zurückzugeben, der inzwischen als Privatier harmlose Holzkisten konfiguriert. Da gibt es eine hübsche Slapstick-Pantomime mit präzisem Gruppensprech, wenn die vier identisch gekleideten Heimkehrer versuchen, ihr Auftragsschreiben wieder loszuwerden. 

 

Später erhalten die drei Emissäre und ein Matrose ausgiebig Gelegenheit, ihr Selbstverständnis und ihre Einstellung zu gesellschaftlichen Entwicklungen dazulegen. Debuisson (Felix Maria Richter) verwandelt sich unter der Sonne Jamaikas in den Herrentyp zurück, der er immer war. Galloudec (Jan Gerrit Brüggemann) bleibt der etwas intellektuell wirkende bretonische Bauer, und Sasportas (mit großem Ernst und  schöner Sprechstimme: Christophe Vetter) versucht sich als Weißer in das Lebensgefühl schwarzer Sklaven zu versetzen. Der Matrose (in drolliger Pagen-Livree: Jan Breustedt) darf gewandt und engagiert seine Sicht der Dinge dartun, und aus luftiger Höhe meldet sich ein Mädchen namens "erste Liebe" sprechend und singend zu Wort (Kara Schröder). Jeder der drei französischen Auftragnehmer trägt vor, wie er den Funken des Aufruhrs in das Heer der schwarzen Sklaven zu tragen gedenkt - alle Ansätze halbherzig und künstlich wie manche Marketing-Tricks. Außerdem sieht man einen etwas albernen Bananentanz zu Roberto Blancos Song "Ein bisschen Spaß muss sein". 

 

Antoine quält sich im Aufzug bis zu "Nummer Eins" auf der Chefetage und findet sich urplötzlich in Peru wieder. Die Verknüpfung mit dem Hier und Heute besorgen Video-Einspielungen, in denen die drei Revolutionäre moderne Rollen zwischen Prophetie und Sklaverei vor Augen führen. Wie es sich für eine ambitionierte Inszenierung gehört, bleiben allerdings auch manche Elemente rätselhaft und der Phantasie des Zuschauers überlassen. Lebhafter Beifall für eine Reihe szenisch reizvoller Denkanstöße.

Besucherfazit

Poetisch-pompös, aber szenisch fesselnd und zum Nachdenken geeignet

Bewertung

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