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Livekritik zu

Väter und Söhne

01.10.2016 - 22.04.2017 | Berlin [ Mitte ] / Deutsches Theater Berlin - Kammerspiele
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Frollainwunder
am 27.02.2017

russischer geist von 1861 weht ins deutsche theater. die regisseurin daniela löffner (jahrgang 1980) hat sich den bekanntesten roman von iwan turgenjew ausgesucht und „väter und söhne“ inszeniert für die kompakten kammerspiele. vier stunden mit pause sollen das werk erklären und die kritiker überschlugen sich schon wieder entzückt. ich habe aber irgendwann die minuten gezählt bis zur pause (nach zwei stunden). keine frage, das ensemble ist sympathisch, die geschichte um zwei studien-freunde, die an überholten gesellschaftsstrukturen rütteln, durchaus interessant, aber es funkt nicht. die dialoge plätschern oder sind überzogen, die konstellationen wirken oft fahrig oder egal. löffner hat sich eine quadratische bühne ausgedacht, die terrasse eines gutshauses, mitten in die kammerspiele platziert und die zuschauerreihen drumherum bauen lassen. da die bühne ebenerdig ist, wurde in den voll besetzten reihen auch gemurrt, denn nicht immer war die sicht gut. in den ersten reihen gab es freie plätze, die für das ensemble reserviert waren in ihren rollen-szenenpausen. man sprang also auf oder setzte sich plötzlich. intendantensohn alexander khuon durfte die filet-rolle des jewgenij spielen und tat das gewohnt mürrisch und steif. schlaks marcel kohler als sein studentenfreund arkadij zog die aufmerksamkeit dafür ziemlich lässig auf sich. väter und söhne also. bedeuteten hier aber müde „konflikte“. petrowitsch, der vater von arkadij und gutsbesitzer, gesteht übertrieben aufgeregt und verschwitzt seine affäre mit dem jungen dienstmädchen und die zeugung eines halbbruders. da arkadij aber der lässige ist und sich sogar darüber freut, verpufft eine mögliche spannung. nächste vater-sohn-konstellation: der spröde jewgenij trifft auf mutter (die kantige barbara schnitzler) und vater wasilij (der baumlange glatzkopf bernd stempel), ein pensionierter arzt, der sich ständig um die zukunft des söhnchens sorgt. sohn jewgenij verachtet das wirken des unterwürfigen vaters durchaus, wird selbst arzt und eine koryphäe. der müde „konflikt“ hier: vater wasilij sorgt sich also um die zukunft des sohnes, arkadij bestätigt ihm aber, wie angesehen dessen leistungen schon sind. erleichterung breitet sich im hause aus, euphorie bricht gar aus und die sprödheit des söhnes weicht etwas auf, man umarmt sich sogar ungelenk. konflikt wieder eingeschlafen. dazwischen wird geplaudert und ein bunte ballonreihe installiert. man nähert sich in all den rollen an, aber dann doch nicht wirklich. es bleibt szenisch. ab und zu wird ein song als storybreaker clubtauglich performt, das ganze bleibt aber ein fremdkörper. bis zur ersehnten pause ein abend, der weder aufregt noch den irgendwann nur noch halbwachen geist anregt. und wenn das eine inszenierung nicht schon in zwei stunden schafft…ein netter abend also. und das ist eigentlich das schlimmste.
das dt bleibt aber mein lieblingstheater. wie ich bei „berlin alexanderplatz“ verzückt erlebte, können vier stunden auch sehr wuchtig und intensiv sein.

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väter und söhne und belangloses

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