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Livekritik zu

Die Blumen von gestern

06.03.2017 | Berlin / Kinofilm
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Frollainwunder
am 17.03.2017

der name lars eidinger zieht natürlich. besonders in den lichtspielhäusern von prenzlauer berg und charlottenburg. aber wer ist adéle haenel? (voila: französischer shootingstar jahrgang 1989). kaspar jan-josef liefers ist der albern aufgedrehte sidekick, denn eidinger dominiert natürlich wieder mit wasserblauen augen auratisch die szenerie. hannah herzsprung spielt die mädchenhafte gattin mit dem verzweifelten blick (und den seelenlosen affären). eidinger ist also totila blumen, holocaust-forscher, impotent und mit unberechenbarem temperament ausgestattet. liefers als balthasar sein schnöseliger vorgesetzter, der den nächsten auschwitz-kongress durch werbung finanzieren will. moralapostel totila darf erst einmal ausrasten und liefers vermöbeln (und eidinger übersetzt die regieanweisung auch hier in die totale). kommentarlos arbeiten die beiden aber irgendwie weiter zusammen. adéle haenel ist zazie und soll totila blumen bei der nervösen organisation des internationalen kongresses helfen. zazie ist zudem balthasars unterforderte geliebte, totilas historiker-groupie und auch noch biografisch unfassbar schicksalhaft mit ihm verwoben, wie ein verblichenes foto schockierend beweist. (zazies jüdische großmutter war mitschülerin von totilas großvater, der später als nazischerge juden ermorden ließ). adéle gibt zazie als burschikosen wildfang, die chemie mit affäre 1 liefers bleibt trocken, die chemie mit affäre 2 eidinger möchte blühen. eidinger ließ sich von adéle vor einer weile in der interview interviewen. verklärte sie später zu seiner im schauspiel seelisch verwandten. die chemie im blumenfilm stimmt, überwältigt aber nicht. die story ist hanebüchen konstruiert und findet keinen stimmigen ironischen klang. natürlich zeugt der impotente totila in der einen nacht mit der leidenschaftlichen zazie ein kind (und kann das später nur erraten in new york im abstrus glitzernden kaufhaus, als ihm zazie nach jahren noch einmal begegnet). natürlich gibt es die schule in riga noch, in der sein großvater und ihre großmutter nebeneinander saßen, und natürlich auch die bank, und natürlich setzen sie sich nebeneinander und sind berührt. natürlich adoptierten totila und seine spröde hannah ein dunkelhäutiges mädchen, natürlich war totila bis zu seinem 18. lebensjahr neonazi, natürlich trennt sich zazie deswegen maßlos enttäuscht von ihm, natürlich erkennt sie später lesbisch zu sein. das liest sich ziemlich platt und konnte von den darstellern einigermaßen gerettet werden. ins kino muss man dafür nicht. die unbekümmerte französin adéle blieb unbefangen und am natürlichsten und sprengte damit erfrischend den spröden deutschen charme. senior-shooting-star eidinger beeindruckte in „familienfest“ mit mehr mimischer abwechslung und intensiver wucht. offenbar war ihm die konstruierte geschichte um den verspannten totila auch einfach nicht tiefgründig genug und zu wenig herausforderung.

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