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Livekritik zu

Wassa Schelesnowa

12.05.2014 - 18.05.2015 | Berlin [ Mitte ] / Deutsches Theater Berlin
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Frollainwunder
am 22.09.2014

corinna harfouch kann schwierig und zerbrechlich. als wassa steht sie da in schwarzem rock, rotem pullover und wirkt abweisend während sie tee kocht. nach und nach findet sich der maulige clan zusammen, noch in bademänteln, nachtzeug. wassas söhne pawel (stur und dominant) und semjon (feist und dreist), semjons frau (frech und faul), ihr geschäftspartner michailo (gross und schlau), seine tochter ljudmilla (und pawels frau, sanft und unentschieden), prochor (gerissener geschäftspartner und wassas schwager), alexander (ihr beflissener assistent). und es taucht später auch noch anna auf, ihre lieblingstochter und kluge ratgeberin.
das bühnenbild ist kahl möbliert, ein skelettiertes metallenes konstrukt ragt hinein, der clan läuft hin und her. zwischen szenen wird sich hinten umgezogen. dann ist für sekunden ruhe (sonst wird stets gestritten und sich hemmungslos angegangen). der sture pawel (intendantensohn alexander khuon) terrorisiert erbarmungslos die mutter, liebt verzweifelt seiner passiven ljudmilla hinterher und findet keinen ausweg aus seinem unglück. semjon, der andere sohn, beschimpft wassa als oberschlange in einer schlangengrube (das langhaarige körpertier christoph franken wird zum schrillschreienden alptraum). 
immer wieder schimpft sich schwager prochor durch die aggressive bande und versucht pawels frau erneut zu verführen. der konflikt eskaliert schließlich und pawels eifersucht bricht brutal aus. doch wo ist der vater, wassas mann sachar? der liegt seit wochen im sterben und in der unteren etage, immer wieder wird der bühnenboden symbolisch angeschrien. als er schließlich stirbt versinkt die familie zwar in angemessene trauer, doch unter der lauert weiter der blanke hass.
der abend startet langsam durch und wird dann zu einem wuchtigen familienportrait, in dem jeder seinen platz sucht und ihn keiner findet. man kann nur wegwollen, doch wassa ist die wand und hat auch nichts zu verschenken (das erbe ist aufgebraucht, die firma pleite). am ende bricht auch sie in sich zusammen. harfouch, die oberschlange, gibt der energischen wassa ein starres gesicht, in dem die risse immer stärker werden.
die regie-ideen sind spannend und etwas wahnsinnig, das ensemble agiert ausdrucksstark, neigt nicht zu sinnlosen übertreibungen.
man muss das moderne mögen (das alte paar vor uns war offensichtlich dauer-empört und die weißen köpfe wackelten ablehnend zur aktuellen interpretation des klassikers von maxim gorki).
 

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corinna harfouch als oberschlange in einem ausdrucksstarken familienclan

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