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Livekritik zu

CABARET - das Musical

11.08.2017 - 01.10.2017 | Berlin [ Tiergarten ] / TIPI AM KANZLERAMT
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FabCha
von FabCha
am 23.06.2015

Willkommen! Bienvenue! Welcome!

Auch im elften Jahr des Kultmusicals Cabaret, das im TIPI am Kanzleramt wieder ins Programm aufgenommen wurde, ist der Zuschauerraum voll. Der Kit Kat Klub, der Ort, an dem man frei von Sorgen ist. Genau dieses Motto verkörpern die Zuschauer schon vor Beginn der Vorstellung, denn im Zelt wird viel gelacht und sich angeregt unterhalten. Doch sobald sich auf der Bühne etwas regt, herrscht gespannte Stille. Alles folgt fasziniert dem Geschehen auf der Bühne. Why can´t the world live and let live? Das Musical, das für die Zuschauer und die Menschlichkeit aufgeführt wird, greift mit dieser Frage ein noch immer brandaktuelles Thema auf. Die Bühne in Berlin als historisches Zentrum und politischer Dreh- und Angelpunkt ist somit bestens geeignet, um dieser Frage nachzugehen. Ein wenig ironisch scheint hier, dass das Stück für mehr Toleranz wirbt und sich nicht unweit vom TIPI gegen die Ehe von gleichgeschlechtlichen Paaren ausgesprochen wurde. Genau so international und offen wie die Stadt Berlin ist auch das Eröffnungslied, welches auf drei Sprachen dargeboten wird. Dieses Eröffnungslied wird in kleinen Variationen zum Hauptmotiv des Stücks, da es während der offenen Umbauarbeiten auf der Bühne und als Schlusslied erneut ertönt. An dieser Stelle ist zu erwähnen, dass das ganze Ensemble, das die Zuschauer immer wieder aktiv in die Show einbindet, sowohl schauspielerisch, als auch stimmlich und optisch durch die bombastischen Kostüme, jeden im Saal überzeugt und fasziniert. Das Stück zeichnet sich durch seinen Wortwitz und seinen Humor, wenn beispielsweise eine Ananas für wertvoller befunden wird als Perlen und Saphire, ebenso aus, wie durch die Ernsthaftigkeit der vermittelten Message. Diese Message wird entweder offen formuliert als Ich finde, jeder sollte so sein wie er ist oder in einzelne Lieder, wie Money makes the world go round verpackt. Dass jeder so sein kann, wie er will, funktioniert nicht mehr, als die Nationalsozialisten mit ihrem antisemitischen Gedankengut auf dem Vormarsch sind. Aus dem typischen Cabaret-Tanz wird ein Marsch mit anschließendem Hitlergruß, der befremdlich, schrill, ja gar bedrückend wirkt. Der Antisemitismus, der aufgrund der Naivität der Bevölkerung (Nichts wird man dir wegnehmen) immer und immer wieder verdrängt wird, wird zum Kernthema der weiteren Handlung.

Die verschiedenen Charaktere, vom jüdischen Obsthändler über durchtriebene Prostituierte, bis hin zu einem ziellosen amerikanischen Autor, zeigen, es ist Platz für alles und jeden und jeder soll so sein, wie er sein möchte.

Das wurde in der großartigen Show, deren Besuch definitiv zu empfehlen ist, deutlich.

Doch zu guter letzt bleibt die Feststellung: Life is a cabaret!

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