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Livekritik zu

NILAH

30.01.2014 - 17.05.2014 | Hamburg [ Mitte ] / Hamburger Sprechwerk
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Emilia C. Kunterding
am 13.02.2014

Durch eine wahre Begebenheit inspiriert, schrieb die Autorin und Regisseurin Denise Stellmann die Geschichte von "Nilah" und brachte ein hervorragendes Theaterstück auf die Bühne des Hamburger Sprechwerks. Nilah, gespielt von Schauspielerin Giulia Vazzoler, ist eine wunderschöne Frau, die für Geld ihre Liebe verkauft. Die Frauen die sie trifft (gespielt von Leonie Fuchs und Lena Röpert) sind meistens reich und verheiratet und entsprechen keineswegs einem Klischee. Man könnte erwarten, dass es um Prostitution und Homosexualität geht, aber das ist nicht der Kern der Geschichte. Es geht um Menschen, die suchen, um Menschen, die finden, weil sie dafür zahlen, um Menschen die vermissen. Es geht um Illusionen und unerträgliche Wahrheiten. Die besondere Tragik liegt in der Figur der Nilah, die mit viel Charme und gegen Geld auf Knopfdruck Gefühle verkauft, selbst aber keine hat. Giulia Vazzoler überzeugt auf ganzer Linie durch ein absolut konsequentes und authentisches Spiel. Wieso Nilah ist wie sie ist, wird nicht erklärt. Selten hat man sich so sehr gewünscht, dass eine Figur ausbricht und ein neues Leben beginnt. Man möchte mehr von ihr sehen. Man möchte sie retten. Man möchte nicht glauben, dass da kein Gefühl ist. Diese besondere schauspielerische Herausforderung meistert Giulia Vazzoler mit Bravur. Nilah's Partnerin Marlen (gespielt von Christina Richter) hingegen durchläuft eine Achterbahn der Gefühle. Auch sie will Nilah retten und muss schmerzlich begreifen, dass das nicht möglich ist.

Stellmanns Konzept "stage meets movie" bedient sich gekonnt eingesetzer technischer Mittel, wie Musik und Filmelemente, die auf der Bühne fortgeführt werden, sodass die Grenzen zwischen Theater und Film, Realität und Fiktion immer mehr verschwinden. Mit viel Feingefühl inszeniert Denise Stellmann keine tragische Liebesgeschichte, sondern eine tragische Lebensgeschichte, die durch ein großartiges und wunderschönes Ensemble so authentisch und natürlich dargestellt wird, wie man es selten im Theater erlebt. Ein wenig verstört und dennoch verliebt verlässt man dieses wundervolle Stück. Allerdings nicht, ohne am Ende lächelnd eine Träne zu vergießen.

Besucherfazit

Feinfühlige Regie. Wundervoll tragische Geschichte. Beeindruckende Schauspielerinnen.

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