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Livekritik zu

Das Fräulein von Scuderi

18.09.2012 - 13.11.2014 | Berlin [ Lichtenberg ] / Theater an der Parkaue
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Elena Artemenko
am 28.11.2012

Von der Inszenierung der ersten Kriminovelle der deutschen Literaturgeschichte „Das Fräulein von Scuderi“, im Original von E.T.A. Hoffmann verfasst, erwarte ich neben einer tragischen Liebesgeschichte vor allem ein spannendes Theatererlebnis.

Tatsächlich hat sich das Theater an der Parkaue für die erste Premiere der neuen Spielzeit ein vortreffliches Werk auserkoren: Grauenvolle Mordfälle zieren das Pariser-Nachtleben zu Zeiten des Sonnenkönigs Ludwig XIV. (Niels Heuser). Die dreizehn Opfer: allesamt junge Männer, die mit einem Schmuckstück auf dem Weg zu ihrer Geliebten waren. Ein Dolchstoß ins Herz verhindert die Ankunft und statt einer verheißungsvollen Liebesnacht bekommen sie den Tod zu spüren. Eine weitere Gemeinsamkeit lässt sich feststellen: René Cardiallac (Hagen Löwe) ist nicht nur der beliebteste Goldschmied Paris', sondern auch der Schaffende der Juwelierwaren, die sie bei sich trugen.

Das Fräulein Madeleine de Scuderi (Birgit Berthold) wird zu Rate gezogen und sie nimmt sich vor, ein Auge auf die heiklen Verbrechen zu werfen. Ob sie es schaffen wird, den Täter zu finden?

 

Einen besonderen Augenschmaus im Stück erschaffen Angelika Wedde und Katja Schmidt mit der Ausgestaltung von Bühne und Kostümen. Das Bühnenbild ist eine Wand-Drehscheibe mit lauter eingebauten Türen und Fenstern, die stets neue Räume erstellt - so kann auf ausgefallene Requisiten verzichtet werden. Barocke Gewänder bestimmen die Kostümbilder. Die Köpfe schmücken klassische und dennoch verspielte Perücken, die aus Ochsenhaar gefertigt sind. Eindrucksvoll sind vor allem die Aufmachungen des Königs und seiner Mätresse Francoise d`Aubinge (Franziska Ritter) - hier wird auf glitzerndes Gold gesetzt.

Das Spiel ist, gerade in der ersten Hälfte, sehr langwierig. Die Situation wird geklärt, Beziehungen werden deutlich - aber trotz guter schauspielerischer Leistung wird kaum etwas Begeisterungsfähiges geboten. Vieles bleibt auch bis zum zweiten Teil verschleiert, beispielsweise die Liebesbeziehung von Olivier Brusson (Johannes Hendrik Langer) zu der Tochter seines Meisters Madelon (Caroline Erdmann) oder auch die Tatsache, dass Olivier über den wahren Mörder Bescheid weiß. Zwar finde ich die Rückblende ein gut gewähltes Mittel, dennoch wird dem Zuschauer teilweise zu viel vorenthalten. Es prasselt dann später alles über einen herein. Als gelungene Überraschung und Aufweck-Methode empfand ich die Pistolenschüsse, die durch Laut und Geruch eine desillusionierende Wirkung zeigten.

Neben Birgit Berthold in der Besetzung der Hauptrolle glänzte auch ihre Kammerfrau, besetzt durch Franziska Krol, die durch ihre leicht schreckhaft-ironische Art für einige lachhafte Szenen sorgte.

Besucherfazit

Trotz guter Besetzung sehr langatmig in der Ausgestaltung. Aber ein Stück mit Potential!

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