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Livekritik zu

Die Fledermaus

31.12.2012 - 08.01.2016 | München / Nationaltheater München
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cgohlke
am 04.01.2019

Glücklich ist, wer vergisst…

Johann Strauß‘ „Fledermaus“ an der Wiener Staatsoper

 

Seit dem Jahr 1900 wird an der Wiener Staatsoper zur Jahreswende Johann Strauß‘ Operette „Die Fledermaus“ gespielt. Otto Schenk hat seine Inszenierung aus dem Jahr 1979 zur Silvestervorstellung 2011 noch einmal neu einstudiert; am 1. Januar 2019 war diese Produktion zum 169. Mal auf der Bühne im Haus am Ring zu sehen.

Schenks Inszenierung im recht plüschigen, aber die Atmosphäre der Entstehungszeit auch wieder gut treffenden Bühnenbild von Günther Schneider-Siemssen ist eine Arbeit, die den Charme, den typischen Operettenhumor der „Fledermaus“ gekonnt bedient und dabei die Amüsierwut der handelnden Figuren schön herausarbeitet.

 Problematisch an Stücken mit breiten Dialogpassagen erweisen sich in internationalen Häusern indes immer wieder die Besetzungen. Denn eigentlich können nur Sänger, die das Deutsche auf dem Niveau einer Muttersprache beherrschen, die Pointen so setzen, dass sie beim Publikum zünden. In Wien hatte damit vor allem die Rosaline der Olga Bezsmertna Schwierigkeiten, schon weil ihre Diktion als Rosalinde sich kaum von der als ungarische Gräfin unterschied. Das ist schade, denn stimmlich passt ihr Sopran eigentlich gut zu dieser Partie. Herbert Lippert als ihr Gatte Eisenstein ist ein routinierter, vielleicht schon allzu routinierter Darsteller in dieser Partie; Daniela Fally gab mit kecken Koloraturen ein spiellustiges Stubenmäderl Adele, und Zoryana Kushpler spielte mit stark russischem Akzent den Prinzen Orlofsky. An große Fledermaus-Abende der Vergangenheit reichte diese ordentliche, aber eben nicht glanzvolle Besetzung nicht heran, und Sascha Goetzel am Pult des Wiener Staatsopernorchesters gelang es nicht unbedingt, den Schwung dieser Musik so auszuformen, dass sie geradezu mitreißend gewesen wäre.

So war es vor allem Peter Simonischek in der Rolle des Frosch, der den etwas lauen Abend im dritten Akt belebte und zu einem sehenswerten Ereignis machte. Er findet die richtige Dosis an Komik für diese Rolle, lässt sich nicht zum Übertreiben hinreißen und wirkt gerade darum umso besser. Die an sich ja läppischen Scherze werden bei ihm durch exaktes Timing zu kleinen humoristischen Kostbarkeiten. Für jede davon war man an diesem Abend von Herzen dankbar.

Wien, 1. Januar 2019

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