Overlay
Livekritik zu

Ansichten eines Clowns

02.11.2013 - 15.03.2014 | Berlin [ Moabit ] / theater 89 in Moabit
« zurück zur Veranstaltungsseite
Catharina Bruder
am 06.11.2013

Das theater 89 inszeniert Heinrich Bölls "Ansichten eines Clowns" auf eine bewegende und interessante Weise, was zum Nachdenken anregt. Das kleine Theater im alten Gemeindesaal Berlin-Moabits ist mit einfachen Tischen und Stühlen gemütlich eingerichtet, so dass die Bühne einem irgendwie garnicht mehr so wichtig erscheint. Dennoch überzeugt das Stück trotz einfacher Bühne nicht nur inhaltlich, sondern auch durch unterschiedlichste kleine Tricks und Ideen.

Das Bild eines traurigen Clowns bildet hierbei eine gute Versinnbildlichung für die Nachkriegszeit in Deutschland, die im Stück thematisiert wird. Diese kontroverse Zeit ist geprägt von Umbrüchen und Widersprüchen, die Clown Hans sogar im eigenen Elternhaus erfährt. So wechseln seine vom Nationalsozialismus überzeugten Eltern nach Kriegsende auf die "richtige" Seite und Hans Mutter arbeitet nun im "Zentralkomitee zur Versöhnung  rassistischer Gegensätze". In Hans-Joachim Franks Inszenierung für das theater 89 spielt die Liebesgeschichte zu dem streng katholischen Mädchen Marie Derkum nur eine untergeordnete Rolle, vielmehr wird das schwierige Verhältnis des Clowns zu seiner Familie thematisiert.

Die Rolle des Clowns wird dabei durch drei Darsteller umgesetzt, wobei Matthias Zahlbaum als Erzählstimme die Geschichte des Clowns aus dessen Perspektive wiedergibt, während Christian Natter und Leonhard Geffke dazu in den verschiedenen Zeitebenen agieren. Mit Zahlbaums angenehm tiefer Stimme und  der besonderen Betonung fällt es trotz des vielen Textes nicht schwer zuzuhören. Mutter und Vater von Clown Hans werden auf sehr pantomimische Art von Bernhard Geffke gespielt, der durch seine Mimiken besonders die Mutter einerseits lustig, aber irgendwie auch bosartig darstellt.

Der Bezug zur Komik wird dazu durch die weiß geschminkten Gesichter der einzelnen Schauspieler hergestellt. Auch Luftballons kommen zum Einsatz, jedoch nicht nur wie in der Anfangs- und Schlusszene von Leonhard Geffke aufgeführten Charly Chaplin-Parodie, sondern auch als Symbol für Bomben und Panzerfäuste. So kommt der innere Zwiespalt des Clowns zwischen Komik und Tragik immer wieder zum Ausdruck. Insgesamt ein sehr gelungenes Stück, dessen Widersprüchlichkeiten sich weder auf der Bühne noch im wahren Leben so einfach lösen lassen.

Besucherfazit

Gelungene Inszenierung zwischen Komik und Melancholie.

Bewertung

  • Fazit
  • Unterhaltung
  • Anspruch
  • Preis/Leistung
  • Atmosphäre
8 Personen fanden diese Livekritik hilfreich.
Konnte Ihnen diese Livekritik helfen?
Ja

Ähnliche Veranstaltungen in der Nähe

Zuletzt aktive Livekritiker

  • Katharina Hö
  • A.-K. Iwersen
  • Klaus
  • Sarah Mauelshagen
  • Kerstin Al-Najar
  • Kyritz
  • Julia Schell
  • Elena Artemenko
  • Napp Flaska
  • Ulf Valentin
  • Peter Griesbeck
  • Iris Fitzner
  • Tanja Piel
  • Odile Swan
  • Stefan M. Weber
  • MartinDoeringer
  • Frollainwunder
  • Mel Kep
  • cgohlke
  • Aberabends
  • Nicole Haarhoff

Für Freikarten und Kulturtipps

Andere Besucher interessierte auch

Machen Sie mit

Kultur erleben

  • Erhalten Sie Informationen zu Veranstaltungen, die Sie wirklich interessieren.
  • Austauschen mit anderen Livekritikern.
  • Gewinnen Sie Freikarten.
Jetzt kostenlos registrieren!