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Livekritik zu

Berlin Alexanderplatz

11.07.2016 - 29.09.2016 | Berlin [ Mitte ] / Deutsches Theater Berlin
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august14979
am 10.10.2016

Franz Biberkopf, der seine Freundin in einem Anfall von Eifersucht erschlug, kommt nach vier Jahren aus dem Gefängnis und ist fest entschlossen, ab sofort ein gesetzestreues Leben zu führen. Aber die Verhältnis, sie sind nicht so. Döblins Franz Biberkopf, sein Leben vom „Neuanfang“ bis zum unausweichlichen Tod, hat wieder einmal eine Bühne gefunden. Diesmal die des Deutschen Theaters. Sebastian Hartmann hat daraus eine Aneinanderreihung von Allegorien gemacht, mit Anleihen aus der Bibel und Schlaglichtern aus dem Schlachthaus, aufzeigend, dass Franzens Scheitern im Großstadtmoloch geradezu vorbestimmt ist.

Mehr als einmal wird die Bühne unter grellweißes Neonlicht gesetzt, was fast Augenschmerz verursacht. Die Szenerie wechselt von Verzweiflung zur Komik. Sex, so wird uns beigebracht, ist in dieser tristen Welt der einzig verbleibende Trost. Wenn Franz nach langer Enthaltsamkeit sich an die Schwester seiner Ex-Freundin heranmacht, die sich – wenn auch nur halbherzig – wehrt und sich ihm schließlich hingibt, von Katrin Wichmann und Andreas Döhler glänzend dargeboten, gleitet das Stück fast zum Lustspiel ab. Um im nächsten Augenblick ins Dramatische und abgrundtief Pessimistische zu wechseln. Die neben mir sitzende Zuschauerin vermisste Döblins Sozialkritik und meinte, man habe das Stück als Schwank inszeniert. Dem schließe ich mich nicht an. Wir erleben vielmehr ein wahres Wechselbad der Gefühle.

Videosequenzen und Diskonebel dürfen natürlich auch in dieser Inszenierung nicht fehlen. Allerdings sind hier die räumlichen Projektionen sehr eindringlich, insbesondere die Schlachthausszenen, die wohl menschliches Leid besonders eindringlich verdeutlichen sollen und die uns einen ganz anderen Franz zeigen (hier: Felix Goeser). Zwischen Slapstick und Dramatik wechselnd, kann Hartmann aber den Spannungsbogen nicht halten, was ganz sicher nicht dem glänzend spielenden Ensemble anzulasten ist. Viereinhalb Stunden sind eben eine Herausforderung, zum einen die Inszenierung betreffend, die das Interesse wach halten muss, zum anderen an das ausharrende Publikum. Auch wenn Sebastian Hartmann den Romanstoff gut gemeistert hat, bleibt das Fazit: weniger wäre mehr. 

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Franz Biberkopf und das Elend dieser Welt zum Nachdenken.

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