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Livekritik zu

Die Hugenotten

13.11.2016 - 04.02.2017 | Berlin [ Charlottenburg ] / Deutsche Oper Berlin
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august14979
am 09.02.2017

Fünf Stunden Oper sind, trotz zweier Pausen, schon eine Herausforderung und bedingt eine ausgeprägte Sitzfreudigkeit. Aber Giacomo Meyerbeer macht es uns mit seinem Epos „Die Hugenotten“ trotzdem leicht: Langeweile kommt nicht auf, so viel sei versprochen.

David Alden hat eine wahrhaft fulminante Inszenierung im Haus an der Bismarckstraße präsentiert. Und er hat auf aktuelle Anspielungen verzichtet. Die sind auch nicht nötig. Die Bezüge zur gegenwärtigen politischen Konstellation in den USA, der auch in unserem Land aufflammende Hass auf alles Fremde, der Alleinvertretungsanspruch der  so genannten „Rechtgläubigen“ und die Verketzerung aller anderen, das alles erschließt sich dem Opernbesucher von selbst. Auch die immer wiederkehrend auftauchenden Zweifel daran, was Wahrheit und was Lüge ist – der Stoff der „Hugenotten“ passt exakt in unsere Zeit. Ausstattung und Kostüme sind gelungen – und in den letzten beiden Akten der Grand Opéra geradezu gänsehauterzeugend.

Zudem hat der Komponist einige recht anspruchsvolle Gesangspartien kreiert. Und die Künstler des heutigen Abends haben sich dieser Partien mit Inbrunst angenommen. Yosep Kang als Raoul kann seine kräftige Tenorstimme einsetzen. Ante Jerkunica ist sein Diener Marcel, der religiöse Eiferer, mit großartigem Bass. Olesya Golovneva ist eine vorzügliche Valentine, zwar verstoßen, doch ungeachtet dessen von tiefer Liebe durchdrungen. Selbst Nebenrollen wie der Page Urbain (Irene Roberts) sind stark besetzt.

Es bedarf dreier Akte, bis sich Papisten und Lutheraner endgültig unversöhnlich gegenüberstehen und die gewaltsame Konfrontation unvermeidlich zu werden scheint. Alle Versöhnungsversuche der Prinzessin von Valois (Siobhan Stagg) bleiben vergebens: die ordensgeschmückten Granden haben das mitternächtliche Abschlachten der religiös Abtrünnigen beschlossen. Selten hat ein Opern-Sujet die Kraft, Emotionen im Besucher zu wecken. Meyerbeer gelingt es.

Ido Arad hat heute die Leitung über das prächtig aufspielende Orchester. Die Chöre haben wie fast immer  unsere rückhaltlose Bewunderung. Am Schluss holen sich alle bis an die physischen Grenzen strapazierten Akteure den Lohn, nämlich den nicht enden wollenden Applaus des begeisterten Publikums ab.

 

Besucherfazit

Ein wirkliche Grand Opéra!

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