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Nachbericht des #museups im Deutschen Historischen Museum

Letzten Freitag rief die Twittergemeinede zum #followamuseum-Day auf! Auch livekritik.de folgte diesem Ruf und nahm an dem #museup im Deutschen Historischen Museum zur Ausstellung Verführung Freiheit. Kunst in Europa seit 1945 teil. Und ganz ehrlich: wir waren ziemlich begeistert! Die Welt von Twitter ist zwar etwas eigen, aber die kommunikative Stimmung, die die digitalen Meinungsmacher auch analog verbreiteten, sowie die Gleichzeitigkeit von Kunst und Smartphone zeigten uns erneut, was für einen Einfluss die sozialen Medien auch in der Kultur haben können.

Nach unserem Interview auf visitatio.de letzte Woche sprachen wir mit dessen Gründer und Mitorganisator des #museups Roland Wagner über das Event und die Zukunft von Twitter in der Kulturwelt.

Wie hat Dir das Museup am Freitag gefallen?
Das Museup war ein einzigartiger Twitterevent! Dies liegt sicher im Besonderen daran, dass wir die Kunstwerke vorerst vermittelt durch die QR-Code-Smartphone-Kommunikation betrachten konnten. Es war ein Experiment, da uns im  Untergeschoß des Deutschen Historischen Museum der Kontakt zur Twitterwelt über das Handynetz verwehrt blieb. Der Event war gelungen zumal auch das Wetter, trotz des Februartermins einigermaßen gehalten hat...

Kanntest Du die Ausstellung schon vorher?
Nur indirekt durch den Ausstellungskatalog, den ich übrigens via Twitter gewonnen hatte. Der Katalog brachte mich im Grunde auf die Idee des Museup und dies lag wohl auch daran, dass mich eine ganze Reihe der abgebildeten Kunstwerke sehr angesprochen haben. Fasziniert hatte mich beim ziellosen Durchblättern des Kataloges speziell das Haus aus der Haut des leider schon verstorbenen britischen Künstlers Donald Rodney. Ich wollte, dass noch mehr Menschen von dieser Ausstellung erfahren und war mir sicher, dass uns dies mit einem Museup gelingt.

Draußen die digital vernetzte Welt mit den Kunstwerken auf dem Display – drinnen die wirkungsvollen Originale in der hauseigenen Museumsatmosphäre. Wie hast du die Trennung von Tweetup und der tatsächlichen Ausstellung empfunden? Wie hat der spätere Übergang funktioniert?
Ganz ehrlich, als ich nach fast eineinhalb Stunden Rundgng um das Zeughaus, an dem die QR-Codes angebracht waren, endlich in die Ausstellung kam, war ich unglaublich euphorisch. Dies lag vielleicht ein wenig daran, dass nun allmählich wieder die Wärme in meinen Körper zurückkehrte. Primär war es aber die, durch den digitalen Rundgang erzeugte Neugier auf die realen Kunstwerke. Irgendwie fühlte es sich an, als könnte der Druck aus dem Kessel. Der war durch die wirklich gut vorbereitete Auswahl der vorab besprochenen Bilder und die eindringlichen und hintergründigen Worte des Museums-Guides Philippe Carasco entstanden. Wer die Miniaturausgabe des Gursky - Fotos "99Cent" auf dem Smartphone gesehen hat, will dann auch einfach das Original in der Ausstellung sehen! Ich bin von dem Format digitale Vorbetrachtung und Besprechung und nachfolgende Ausstellungsvisitation absolut überzeugt! Vorab wird die Neugier erzeugt und in der Ausstellung muss ich mich nicht von Worten des Guides aus meinen individuellen Betrachtungen reißen lassen...

Was nimmst Du aus dem Nachmittags mit? Wie könnte in Deinen Augen der Ausstellungsbesuch der Zukunft aussehen und was kann Twitter für Museen leisten?
Wie gesagt, ich könnte mir vorstellen, dass ich auch künftig einige der Ausstellungen bereits vorab intensiv in analogen oder digitalen Katalogen studiere. Eventuell könnte der Besuch auch mit einem Vortrag (vor auch im lokalen Sinne von davor) in gemütlicher Atmosphäre beginnen, um eine Fokusierung auf die Kunstwerke zu erhalten. Was die QR-Codes betrifft, denke ich, dass es eine spannende Methode des Guerilla-Marketing  sein könnte an unterschiedlichen Plätzen der Stadt, die eventuell in einem Bezug zu der Ausstellung stehen QR-Codes zu platzieren, um potentielle Ausstellungsbesucher anzusprechen - dabei sollten diese auf keinen Fall an Plakatwänden tapeziert werden, sondern zielgerichtet an unerwarteten Orten und Objekten...

Was Twitter betrifft, bin ich nach drei Jahren, die ich die Rangliste twitternder Museen herausgebe, immer noch der guten Hoffnung, dass Twitter noch deutlich mehr für Museen leisten kann. Tweetups sind dabei nur ein Mosaikstein. Twitter ist Recherchekanal was andere Museen tun, Informationswerkzeug über eigene Aktionen und Initiativen, Organisatonsinstrument für Veranstaltungen, Dialogmöglichkeit zwischen Museen, ihren Besuchern, den Künstlern und Kritikern. In vielen Fällen, wird das Potential zu wenig ausgeschöpft, zu steif und formell genutzt und durch administrative Regelungen geradezu kaputtredigiert. Die Verwaltungen sollten in Twitter eher ein zeitgemäßes Kommunikationsmittel sehen als ein notwendiges Übel. Mit ständig wechselnden, befristeten Praktikumsplätzen für Social-Media-Manager, die dann auch wieder für Monate wegbleiben ist da nichts nachhaltiges zu erreichen. Auffällig ist, dass hier die privat geführten Museen häufig mutiger mit diesem Thema umgehen.

Welche Museups oder Twitter-Events kannst du in der nächsten Zeit empfehlen?
Das Tweetup-Fieber verbreitet sich immer mehr. In einigen Tagen laden die Deichtorhallen in Hamburg ein und auch in München ist schon wieder das nächste Tweetup angekündigt. Hier in Berlin wird es im April das nächste Museup geben...wo und wann erfahrt ihr über www.museum140.net. Spannend wären auch spezielle Twitterformate innerhalb der Langen-Museumsnächte...da bleibt wieder Spielraum für manche kreative Idee. Überlegt wird auch eine Museup-Tagesreise zu anderen interessanten Museumstwitterhochburgen...vielleicht fahren wir ja mal gemeinsam nach Dresden um im @koernigreich ,  dem @Verkehrsmuseum und dem @SKDmuseum ein Museup zu erleben!

 

Eine Nachbetrachtung des Deutschen Historischen Museums mit vielen Bildern findet sich in deren Blog.
Das #museup in Zahlen kann man hier auf visitatio.de nachlesen!
An dieser Stelle verweisen wir auch gerne noch auf das Kultup im Theater Heilbronn am 16. Februar, bei dem über die Proben zur neuen Opernpremiere gewtittert wird!

 

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