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Livekritik zu

Nachtkonzert 2: One touch of genius!

16.09.2012 - 23.11.2018 | Berlin / Komische Oper Berlin
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Yukako Karato
am 01.07.2013

Dionysische Tribute an die Erhabenheit der Musik

 

Die Inszenierung von Barrie Kosky versucht keine revolutionäre Interpretation von Monteverdis barocker Oper aufzumachen, wie es oft bei Berliner Opern- und Theateraufführungen der Fall ist, sondern bleibt dem historischen Hintergrund des Stücks und dem bekannten Mythos von Orpheus und Eurydike treu. Mit einem üppigen Bühnenbild vom dionysischen Thrakien, überfüllt mit tropisch aussehendem Gewächs, tanzenden Nymphen und Faunen, befördert er das Publikum in eine Welt der Reichhaltigkeit, von der die heutigen Griechen nur noch träumen können. Auch eine Referenz auf das barocke Memento Mori gibt es durch weiße Skelett-Marionetten-Figuren von Orpheus und Eurydike, die die ganze Aufführung begleiten. Warum soll Kosky das Stück überhaupt modernisieren, wo die Themen des Stückes, Liebe sowie Liebesqual und die Erhabenheit der Kunst noch aktuell sind? Gerade jetzt, wo wir in einem andauernden Zustand von Ablenkung und Übersättigung durch Handy-Apps und 3D-Kino leben, ist es schön zu erleben, wie das Theater und die Musik uns noch berühren können, unsere Träume noch verwirklichen können ohne digitale Mätzchen und das Gebot der ständigen Erneuerung. Die Geschichte von Orpheus, der mit seinem Gesang sogar das Mitleid des Gottes der Unterwelt gewinnen kann, ist an sich ein Tribut an die Macht der Musik. Ein Plädoyer nicht für die Kunst um der Kunst willen, sondern für die Kunst, die uns ermöglicht, die Schmerzen des Lebens zu bewältigen.

Die Leistung von Dominik Köninger als Orpheus ist überzeugend, wenn auch nicht ganz konsequent. Das „Possente spirto, e formidabil nume”, womit er Charon verzaubern soll, ist ein bisschen schwach, der große Sänger Orpheus wirkt hier außer Atem. Dennoch gewinnt Köninger gleich seine Kraft wieder, um sich im Rest der Oper durchzusetzen. Besonders beeindruckend ist Theresia Kronthaler als Sylvia und Proserpina. Ihre klare Stimme durchmisst die barocken Ornamentierungen mit einer Anmut und Ausdruckskraft, mit der sie die anderen Sänger überschattet. Insgesamt handelt es sich um eine Aufführung, die der Schönheit von Monteverdis Stück gemäß ist. 

Besucherfazit

Üppige barocke Inszenierung von Monteverdis „Orpheus“. Ein Fest für die Sinne.

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