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Livekritik zu

Vanessa Stern: Das Kapital der Tränen

26.09.2012 - 04.10.2012 | Berlin [ Mitte ] / Sophiensaele - Hochzeitssaal
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Susanne Lang
am 27.09.2012

Frauen, die auf dem Boden herumrobben, flehentlich "Mama" schluchzen, gegen Säulen treten und kollektives Sirenengeheul anstimmen - so beginnt das Stück "Das KapiTal der Tränen", das derzeit in den Sophiensaelen von sechs Schauspielerinnen aufgeführt wird.

Tränenreiche Theater-Persiflage

Die Künstlerin Vanessa Stern, selbst ausgebildete Schauspielerin, hat mit ihrem neuesten Projekt eine Persiflage aufs Theater geschaffen. Sie wirft mit ihren Kolleginnen einen ironischen Blick auf den Theaterbetrieb. Die Damen wissen, wovon sie reden, bzw. spielen. Mussten sie doch unzählige Male auf der Bühne sterben und Tränen fließen lassen - als Ophelia, Emilia Galotti oder die Amalia aus Schillers "Räuber", typische Frauenrollen eben. Komisch sind diese Rollen nicht und da setzt Vanessa Stern mit ihrer Botschaft an: Liebe Frauen, traut euch was, heult nicht nur auf der Bühne rum, erobert euch den Raum! Ihre Mission: die Dekonstruktion dieses stereotypen Schluchzens und Heulens der Dramenheldinnen.

Schauspielerinnen auf der Flucht vor stereotypen Rollenbildern

Eine konkrete Handlung oder Dramaturgie hat das Stück nicht, vielmehr ist es eine aberwitzige Performance - die Geschichte von Schauspielerinnen, die das Business durchschaut haben, sozusagen auf der Flucht von ihren kleinen Stadttheaterbühnen und Filmsets sind. Jetzt wird eben an Orten geheult, die so gar nicht dafür vorgesehen sind.
so werden die sympathischen Ladies mit den unterschiedlichen Charakteren zu wahren Heulterroristinnen, die öffentliche Orte unsicher machen. Sie zetteln Heul-Flashmobs an - bei Burger King, H&M oder Bentley und lernen in einem "Heul-Terror-Camp", wie Schluchzen möglichst überzeugend inszeniert wird und Tränen als "geile Waffe" dienen können.

Tränen und Komik

Es gibt herrlich komische Szenen, zum Beispiel wenn im Hintergrund berühmte tränenreiche Szenen der Filmgeschichte laufen und die Damen im Vordergrund pantomimisch mitheulen.Oder wenn Valerie Oberhof mit an der Bluse angenähten Brüsten (kleine Sandsäcke) über Geschlechtsteile referiert. Einziger Minuspunkt des Abends: Die Säulen, die keinen uneingeschränkten Blick auf die Bühne zulassen. Aber die Säulen finden die Darstellerinnen auch "Scheiße, aber was soll man machen. War halt ursprünglich nicht als Theater gedacht der Raum", erklären sie im Programmheft. So kann der Zuschauer also auch über dieses Manko gnädig hinwegsehen.

Vanessa Stern hat ein tolles Stück geschrieben, bei dem kein Auge trocken bleibt. Tränen und Komik - diesen Zusammenhang erforscht Stern schon seit längerem. 2010 hat sie das "Krisenzentrum für weibliche Komik" an der Universität der Künste in Berlin gegründet und untersucht dort geschlechtsspezifische Zugänge zur Komik.

 

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Performance äußerst sympathischer Heulterroristinnen - witzig!

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