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Livekritik zu

Please, repeat after me

08.06.2018 - 09.06.2018 | München [ Au/Haidhausen ] / HochX Theater und Live Art
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Peggy Doolittle
am 09.06.2018

"Please repeat after me" fängt mit einer kleinen Panne an, ach, aber das macht nichts, jetzt gehts dann los, der Grußwortsprecher taucht halt nicht auf, und der weltbeste, einzig Englisch sprechende Geschichtenerzähler auch nicht. Aber glücklicherweise ist er per Videolink präsent, die Tonqualität ist mäßig. Auf der Bühne hängen Plastikplanen, 4 Performer stolpern, schweben, balancieren dazwschen. Aha, Tanztheater mit orientalisch-narrativem Klecks. Die Performerin mit Migrationshintergrund im engen Etuidress und hohen Hacken balanciert, mhm, zwischen allen Stühlen. Man rutscht im eigenen Stuhl zurecht und macht mentale Notizen des Erwartbaren. Ah, schon wieder klappt was nicht, wir fangen von vorne an, na prima.

Spätestens jetzt hat auch der letzte Zuschauer kapiert, dass die Pannen Teil des Spiels sind, mit denen Ziad Adwan sein Publikum durch einen disparaten, heiteren Abend leitet. Ja heiter, auch wenn das Thema ein ganz gräßliches ist, Menschen, deren Identität im Land selbst nicht erlaubt, weil Transgender ist, Pässe, die verloren gehen, Heimatgefühl und Einsamkeit, Angst und Hoffnung, Ankommenwollen und doch wieder Heimwollen. Über allem schwebt jedoch eine spielerische Leichtigkeit, die die Zuschauer immer wieder einfängt, auch wenn Pannen auf der Bühne ein eher abgegriffenes Stilmittel sind. Adwan verwendet sie jedoch als Metapher für das Lebensgefühl einer syrischen Künstlergeneration. Ja, der Geschichtenerzähler rollt mit den Augen wie das albernste Klischee. Die junge Frau mit dem Kopftuch schaut verprügelt und traumatisiert aus. Plötzlich outet sich die im engen Dress als verliebt in den Regisseur und der Abend rutsch von den akuten Pannen in die inneren Produktionsprobleme. Die Schauspieler verfransen sich in Eitelkeiten, wollen doch dieses Spiel beenden, die Show weiterführen, ihre Géschichte erzählen. Und wer ist hier überhaupt berechtigt, eine Geschichte zu erzählen. Seine, ihre, eine syrische, ja oder nein? 

Mit vielen pfiffgen kleinen Seitenhieben auf die eigene Situation und die Reaktion darauf beendet das Team den Abend erst nach heftigem Applaus gemeinsam auf der Bühne. Die gesehenen Bilder bleiben disparat, einzelne Soundbites verfangen, eine intelligente Bewältigung der Lage ist nur im Künstlerischen möglich, bleibt den Zuschauer überlassen. Experiment gelungen.

 

Besucherfazit

Intelligent und unterhaltsam, selbstironisch.

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