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Livekritik zu

ROSES TANZTHEATER

05.06.2013 - 08.06.2013 | Berlin [ Schöneberg ] / THEATER STRAHL
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KULTURA-EXTRA
am 06.06.2013

von Andre Sokolowski

ROSES - einsam.gemeinsam.
Tanztheater / Choreographie: Wies Merkx

Furioser Ausdruck ungebändigten Verlangens

Das Entwaffnendste an jungen Menschen ist vielleicht ihr Grad an vorbehaltlosestem Aufgeschlossensein - vorausgesetzt, sie werden klug und sacht auf ihre große lange Zeit, die ihnen in der Zukunft blüht, von den sie unvermeidlich mit umgebenden "Erwachsenen" geführt, geleitet und gelenkt. Selbstredend sträubten sich bei den Heranwachsenden - schon wenn sie diese drei anmaßend-erzieherischen Volksvokabeln (führen, leiten, lenken) herserviert bekämen - alle Haare, und das machte sie erst recht aufmüpflerisch gegen jedwede sie im Zaume haltende Autorität, egal ob Eltern, Lehrer oder sonst so was...

Wies Merkx, die seit den 1990ern im holländischen Utrecht ein von ihr kreiertes Tanzprojekt (De Dansers) mit "außergewöhnlichen Tanzstücken für ein junges Publikum" choreografisch als wie künstlerisch versorgt, sollte - als positiver Prototyp eines/einer "Erwachsenen" - für Jugendliche wie Heranwachsende prinzipiell ein idealer Ansprechpartner oder (besser noch:) zärtlicher Mitmensch sein. Sie liebt also die Leute, die sie - scheinbar nicht nur choreografisch/künstlerisch - führt, leitet, lenkt - - zumindest tat das meinen offensichtlich bauchfühligen Eindruck, den ich heute Abend [nach ihrer umjubelten Premiere von dem Tanzstück ROSES in der Berlin-Lichtenberger Halle Ostkreuz] hatte, nachhaltig bestätigen:

ROSES fußt - rein inhaltlich - auf jener sog. Weißen Rose, dem von den Geschwistern Scholl gegründeten Studentenwiderstand gegen das Nazi-Terror-Regime; es gab ihn so in München von 1942 bis 1943; danach flog die Gruppe auf, und Hans & Sophie Scholl wurden zum Tode durch das Beil verurteilt. Doch der Plot des Tanzstückes geht über diesen Stoff-Anlass hinaus; das das Projekt in Koproduktion mit den Niederlanden (De Dansers) und Österreich (SZENE BUNTE WÄHNE) gestemmt habende Theater Strahl fasst es mit seinen Worten so zusammen: "Eine Handvoll junger Menschen übertritt eine unsichtbare Linie: Sie wollen nicht mehr schweigen, nicken, mitlaufen. Sie verfolgen die Ideale der Menschlichkeit, sie verweigern sich der Gleichschaltung und Ignoranz, sie bestehen auf das Recht des unabhängigen Denkens und auf die Konsequenz persönlichen Handelns. Sie sind schnell. Sie sind zusammen. Sie sind mutig - oder wahnsinnig?"

70 Minuten lang getraut man sich nicht mal zu zwinkern, denn: Man könnte selbst in diesen minimalsten Zwinkerpausen irgendwas an Szenischem verpassen. Die Bewegungsabläufe der ausführenden Tänzerinnen und Tänzer inkl. "ihrer" choreografischen Ideen sind rasant und überbordend. Die Kulissen (7 Beistelltische) dienen als verschieden deutbare Metaphern; ganz am Schluss versinnbildlichen sie das Fallbeil, und so schließt sich in der Tat - über das Allgemeindeutbare noch hinaus - der Kreis zur sog. Weißen Rose; Guy Corneille (der nicht nur tanzte, sondern auch noch sang und Instrumente spielte) klemmte sich im Handstand zwischen zwei der Möbel, und die Assoziation - sein Kopf zwischen den beiden Tischplatten - wurde zur sinnlichen Erschütterung.

Auch Hans Vermunt, der mitspielende Musiker und Sänger, brachte sich dann immer wieder nebenher als Tänzer ein.

Es tanzten überdies Oliver Moritz, Maartje Pasman, Josephine van Rheenen, Andreas Schwankl und Noemi Wagner.

Wir sind berührt und angetan von einem so noch nie zuvor erlebten Explosivsein jugendlicher Ausdruckskraft!

Diese Rezension wurde am 05. Juni auf KULTURA-EXTRA veröffentlicht.

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