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Livekritik zu

Die Frau, die gegen Türen rannte

18.05.2018 - 07.10.2018 | Hamburg [ Mitte ] / Hamburger Sprechwerk
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Esther Barth
am 14.06.2018

Ein Wortgefecht über Mißhandlung, Abhängigkeit und Ausweglosigkeit. Und den Kampf um Liebe und Zukunft.

Unter der Headline "Wortgefechte" zeigt das Hamburger Sprechwerk eine Reihe von Eigenproduktionen.

Und in der Tat ist der Monolog, den ich gestern sah, ein in plastische, deftige und direkte Worte gepacktes Gefecht einer Frau mit sich selbst, mit ihrem Dasein, ihren Traumata, ihrer Liebe und ihrer Zukunft.

In Roddy Doyles Stück begegnen wir der 39jährigen Paula Spencer.
Paula ist vierfache Mutter, Alkoholikerin und gerade Witwe geworden. Ihr Mann Charlo ist bei einem Polizeieinsatz drauf gegangen, nachdem er eine Frau umgebracht hat. Nun beginnt Paula zu sprechen. Sie läßt ihr Leben Revue passieren. Die geblümten Vorhänge über ihrem Kinderbett, an die ihre Schwester sich einfach nicht erinnern will, die Übergriffe ihres Vaters, den Kauf ihres ersten BHs als vorpubertärer Backfisch in Begleitung der Mutter, den frühen Umgang mit Sexualität, die erste Begegnung mit ihrem späteren Mann und das dann folgende Desaster von 17 Jahren Mißhandlung und Abhängigkeit, ihre Ehe, die sie verzweifeln läßt und die sie dennoch um keinen Preis aufgeben will. Selbst dann nicht, als sie ihren Mann endlich vor die Tür setzt.
Wir folgen Paula in eine Welt, die ihr schon als Kind beibringt: Du bist nichts wert - ausser vielleicht als sexuelle Dienstleisterin. Wir verstehen, wie sich Sexualität in ihrer Gefühlswelt als Dreh- und Angelpunkt festsetzt, als einzige Möglichkeit, sich anerkannt und geliebt zu fühlen. Wir folgen ihrer Sehnsucht nach Liebe und einem Platz in der Welt.
Wir verfolgen ihren Kampf, ihren vier Kindern eine gute Mutter zu sein, ihr Scheitern, ihren Weg in die Alkoholabhängigkeit, ihre tief sitzenden Minderwertigkeitsgefühle und spüren dabei ihre stets vorhandene Kraft, den Glauben an eine gute Zukunft.

Ich mag die Direktheit, in der Cosma Dujat Paulas Gedanken vorträgt, und den Verzicht auf Weinerlichkeit in der Inszenierung. Gerade weil die Darstellung komplett auf kommentierende Sozialromantik verzichtet, ist die Figur so präsent und real, dass mir als Zuschauerin manchmal der Atem stockt und ich denke "krass".

Bravo an die Schauspielerin, die Paula Spencer unhysterisch und glaubwürdig spielt, die Figur dabei immer ernst nimmt und sie an keiner Stelle vorführt. Und an die Regie, die sich für eine minimalistische und präzise Inszenierung entschieden hat und dabei auf die Kraft des Spiels vertraut.

P { margin-bottom: 0.21cm; }

Besucherfazit

Sehenswerter Monoloig über Mißhandlung, Abhängigkeit, Ausweglosigkeit und Liebe

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