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Livekritik zu

Verführung Freiheit. Kunst in Europa seit 1945

17.10.2012 - 10.02.2013 | Berlin [ Mitte ] / Deutsches Historisches Museum - Schlüterhof
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Constanze Tress
am 05.02.2013

Anlässlich des „Follow-a-Museum“ Tages auf Twitter am 01.02.2013 präsentierte sich das Deutsche Historische Museum ganz modern: Neue Social-Media-Wege wurden mit dem ersten Tweetup des Hauses zur XXX. Europaratsausstellung „Verführung Freiheit. Kunst in Europa seit 1945“ beschritten, welches das Event als Führung besonderer Art gestaltete. Der Rundgang durch die Ausstellung begann nämlich nicht konventionell vor den Kunstwerken, sondern draußen vor dem Museumsgebäude. Angebracht an den Außenwänden hingen 12 QR-Codes, die über den Scanner des eigenen Smartphones zum Ausstellungskatalog führten. Die dort sichtbaren Kunstwerke wurden den Teilnehmern wiederum vom DHM-Guide Philippe Carasco in treffenden Worten erläutert, während parallel aufmerksam gelauscht, fleißig fotografiert, getwittert und gescannt wurde. 

Anschließend ging es in die Ausstellung und hier entpuppte sich der Tweetup als wunderbare Einleitung für das Verständnis der Werke und des Gesamtkonzepts der Ausstellung, ohne die man höchstwahrscheinlich oft etwas ratlos vor den Exponaten gestanden hätte. Stets muss nämlich der rote Faden der Ausstellung mitgedacht und der Begriff der Freiheit erweitert werden auf seinen untrennbar mit ihm verbundenen Gegenpol der Unfreiheit.

Brisant wird dieser Gedanke in seiner geschichtlichen Dimension: errungene Handlungsspielräume bedingen nämlich nur zu häufig Einschränkungen der Freiheit des anderen.  Dieser Teil der Ausstellung ist der eindrücklichste. So zeigt zum Beispiel René Magrittes Gemälde „La mémoire/Die Erinerung“ den Kopf einer Blut befleckten weiblichen Marmorskulpur, den man als mögliches Symbol für die Marianne deuten kann, welche für die französische Nation und die durch die Französische Revolution erlangten Grundwerte Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit steht. Dass das Streben nach diesen Rechten schnell in Unterdrückung Andersdenkender umschlagen kann, beweisen die Jahre jakobinischer Terrorherrschaft nach der Revolution. 

Doch nicht nur historisch-politische Aspekte von Freiheit werden beleuchtet, sondern auch Möglichkeiten und Grenzen der persönlichen und künstlerischen Freiheit ausgelotet.  Manchmal geht es da schon etwas eklektisch zu und man fragt sich, ob Anselm Kiefers „Besetzungen“-Fotozyklus, der den Künstler auf ehemals von Nazideutschland okkupierten Gebieten den Hitlergruss vollführend zeigt und Roman Opalkas Versuch, die Ewigkeit durch endlose Zahlenkolonnen auf die Leinwand zu bannen, so zusammen in einer Ausstellung präsentiert werden müssen, um wirklich auch allen Teilfacetten des Freiheitsbegriffs Genüge zu tun. Nichtsdestotrotz regen möglicherweise gerade diese Brüche dazu an, noch lange nach dem Museumsbesuch über Freiheit nachzudenken und zu diskutieren.

Besucherfazit

Große Künstler, starkes und komplexes Thema - fast perfekt umgesetzt.

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