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Livekritik zu

Don Giovanni

21.06.2015 - 30.10.2015 | Wien / Wiener Staatsoper
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cgohlke
am 23.10.2018

Grand Opéra

Die Wiener Staatsoper feiert ihren 150. Geburtstag mit Hektor Berlios‘ „Les Troyens“

Seit 150 Jahren steht die Wiener Oper am Ring; erst als Hof-, seit 1918 als Staatsoper. Das Haus, das bis heute zu den wichtigsten Spielstätten der Welt gehört, feiert dieses Jubiläum natürlich gebührlich: Im September gab es schon ein Symposium zur Geschichte der Wiener Oper, jetzt stand die erste große Premiere der Jubel-Spielzeit auf dem Plan: Hektor Berlioz „Les Troyens“.

Das Werk wird nur sehr selten gespielt. Der Aufwand ist beträchtlich, verlangt die Oper doch neben einem groß besetzten Orchester Chormassen, Ballett-Einlagen und gut zwanzig Solisten. In Wien gab es bislang überhaupt erst eine Inszenierung, und das war 1976. Nach über vierzig Jahren ist diese grand opéra in der Inszenierung von David McVicar nun auf den Spielplan zurückgekehrt.

Berlioz folgt in seinem Stück eng der literarischen Vorlage Vergils und erzählt das Ende des Trojanischen Krieges, die Flucht von Aeneas, seine Liebe zu Dido und schließlich den Aufbruch der Trojaner aus Karthago, der Didon in den Tod treibt.

McVicar erzählt diese Geschichte handwerklich gekonnt, ohne dabei aber für das Innenleben der Charaktere besonders eindringliche Bilder zu finden, wobei eine gewisse Eindimensionalität der Figuren sicher nicht alleine der Regie anzulasten ist. McVicar verlegt die Zeit der Handlung von der Antike ins 19. Jahrhundert. Das ist dank der detailreichen Kostüme von Moritz Junge und der phantasievollen Bühen von Es Devil schön anzusehen, trägt aber zum Verständnis des Werkes wenig bei und bleibt letztlich Willkür. Vergebens warnt Anna Caterina Antonacci als Cassandre mit expressivem Sopran vor dem riesigen, aus Metallresten gefertigten Pferd, das die Griechen listig zurückgelassen haben und das Troja den Untergang bringt.

Die Exotik Karthogos, in das Enée mit seinen Mannen flieht und in dem er und Didon zueinanderfinden, schmeichelt dem Auge durch warme Farben, ausufernde Ballett-Einlagen (Choreographie: Lynne Page) und romantische Atmosphäre. Ein wenig erinnert das Liebesglück der Protagonisten, die sich weltvergessen ihrer Zweisamkeit hingeben, an den 2. Akt von Wagners „Tristan“ im Baumgarten des Königs. Es ist bewundernswert, wie Joyce DiDonato die Wandlung Didons von einer selbstbewussten, wenn auch noch melancholisch um ihren Gatten trauernden Königin zur leidenschaftlich Liebenden zeigt. DiDonato singt und spielt die Partie mit Herzblut und großer Intensität und hat auch für das Ende auf dem Scheiterhaufen, das wiederum ein wenig ans „Götterdämmerdämmerungs“-Finale denken lässt, noch genügend Kraft und Dramatik in der Stimme. Dafür wird sie vom Wiener Publikum enthusiastisch gefeiert. An ihrer Seite glänzt als Enée der amerikanische Tenor Brandon Jovanovich, dessen Tenor gut zu dieser heiklen Partie passt, die Kraft in gleichem Maße verlangt wie lyrischen Schmelz. Zusammengehalten wird das große und auch in kleinen Partien sehr gute Sängerensemble der Wiener Oper (zu nennen wären hier noch Szilivia Vörös als dunkel timbrierte Anna und Jongmin Park als kraftvoller Narbal) von Alain Altinoglu am Pult des vorzüglichen Orchesters der Wiener Staatsoper, das mit Verve musiziert und immer wieder mit seinem Farbenreichtum, seiner Klangschönheit überrascht. Es lohnt, sich diese Oper in Wien anzusehen! Wer weiß, wann wieder einmal Gelegenheit dazu ist.

Wien, am 21. Oktober 2018

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