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Livekritik zu

La Fille mal gardée

05.07.2012 - 14.07.2013 | München / Prinzregententheater
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cgohlke
am 08.03.2018

Es ist eine alte Geschichte und bleibt doch immer neu

La Fille mal gardée am Bayerischen Staatsballett

 

Die Geschichte ist schnell erzählt: Ein junges Mädchen ist in einen adretten, aber nicht wohlhabenden Herrn verliebt. Die Mutter allerdings hat höhere Pläne für ihre Tochter, doch der reiche Wunsch-Bräutigam ist natürlich völlig linkisch und kommt als Liebhaber nicht in Betracht. Das Liebespaar hat es unter solchen Umständen nicht leicht, findet aber mit List und Tücke doch einen Weg zueinander. Und am Ende bleibt der gestrengen Frau Mama nichts übrig, als ihren Segen zu dieser Verbindung zu geben.

Unzähligen Komödien liegt dieses Muster zu Grunde – so auch dem Ballett „La fille mal gardée“ in der Choreographie von Frederick Ashton, die 1960 in London uraufgeführt wurde und seit 1971 auch beim Bayerischen Staatsballett auf dem Spielplan steht (neu einstudiert 1994).

Jetzt war Ashtons nach wie vor sehenswerten Fassung in der naiv-bunten, zum Charakter des Stückes passenden Ausstattung von Osbert Lancaster bereits zum 174. Mal in München zu erleben. Eine so simple Geschichte wie die vom schlecht bewachten Mädchen lebt neben dem technischen Können der Tänzer vor allem vom Charme ihrer Darstellungskunst. Hier glänzte besonders Norbert Graf in der Rolle der verschrobenen und am Ende ausgetricksten Witwe Simone. Aber auch Konstantin Ivkin war in der Partie des reichen und dämlichen Schnösels Alain hervorragend. Besonders eindrücklich gelang es ihm, die klassischen Schritte, die auch seinen Bewegungen zu Grunde liegen, um Haaresbreite (oder auch mehr als das) zu verfehlen und so komische Eindrücke hervorzurufen. Ksenia Ryzhkova und Dmitrii Vyskubenko tanzten das im Zentrum der Geschichte stehende Liebespaar. Dass Vyskubenko in der Rolle des Colas an diesem Abend debutierte, war an manchen kleineren Unsicherheiten bemerkbar. Anfangs konzentrierte er sich noch sehr auf die Technik, wurde aber im Laufe des Abends immer freier auch im Ausdruck, und im zweiten Teil wollten ihm auch die Hebefiguren besser gelingen als im ersten. Schön geriet den beiden Tänzern die kleine Szene nach dem Unwetter: Sie will andächtig sein und beten, sein Interesse gilt einem Kuss, den er dringend von ihr haben möchte. Ksenia Ryzhkova gelang vielleicht die pantomimische Sequenz im 3. Bild am schönsten: Da träumt sie als Lise vom Glück des Ehelebens – und wird von Colas, der sich ins Zimmer geschlichen hat, überrascht. Zum lieto fine ist es dann nicht mehr weit. Dass man das Nationaltheater nach dieser Aufführung wohlgelaunt verließ, war auch dem Staatsorchester unter der Leitung von Myron Romanul zu danken. Da wurde mit Schwung und Stimmung gespielt. Dafür ist man in so grauen Zeiten immer dankbar.

6. März 2018

 

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