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Livekritik zu

Die Glasmenagerie

16.12.2016 - 16.10.2017 | Berlin [ Mitte ] / Deutsches Theater Berlin
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august14979
am 25.06.2018

Eigentlich sind die Themen in Tennessee Williams’ autobiografischer „Glasmenagerie“ von gestern, also etwas angestaubt. Die Rollenklischees, das zwanghaft „unter die Haube bringen“ der zartbesaiteten und leicht behinderten Tochter, das hyperventilierende Bemühen der Mutter, die doch (aufgeregt-gluckenhaft) doch nur das Beste für ihre Sprösslinge will. Dass sie was aus ihrem Leben machen. Es ist ein Blick in die 40er Jahre der amerikanischen Gesellschaft, dem amerikanischen Traum verhaftet, "dass es jeder nach oben schaffen kann".

Trotzdem lässt einen das mehr als 2 Stunden währende Spiel nicht unberührt, was vor allem der darstellerischen Leistungen zu verdanken ist. Allen voran Anje Schneider als die treusorgende, stets aufgeregt um ihre Kinder und sich selbst kreisende Mutter Amanda Wingfield. Marcel Kohler gibt den aufsässigen Sohn Tom Wingfield, der sein frustrierendes berufliches Dasein in einer freudlosen Schuhfabrik fristet, immer mit dem Stress einer plötzlichen Kündigung lebend, weil er allzu oft sich in stille Ecken flüchtet, um lieber Gedichte zu schreiben. Die Rolle der zerbrechlich-linkischen Laura Wingfield, die sich in ihre Liebe zu Glasfiguren und alten Schallplatten flüchtet und das Leben „da Draußen“ flieht wann immer sie kann, übernimmt überzeugend Linn Reusse. Und auch Toms Arbeitskollege Jim O’Connor ist mit Holger Stockhaus nahezu ideal besetzt. Er behält auch im drohend ins slapstickhafte umzukippenden zweiten Teil Kontrolle und Übersicht, spielt den perfekten Gast der kleinen Familie Winfield. Sein verzweifelter Dackelblick, wenn er eingeklemmt zwischen Mutter und Tochter sitzt, auch seine Jazz-Einlage – umwerfend.

Das wahnhafte Verlangen Mutter Winfields, ihre Laura „unter die Haube“ zu bringen, scheitert erwartungsgemäß, weil der ob des familiären Gewusels sichtlich verstörte Jim schon vergeben, die Verehelichung mit Betty schon geplant ist. Stephan Kimmig ist eine schlüssige und fesselnde Inszenierung gelungen, in der die vier Protagonisten des Abends durchweg überzeugten und mit starkem Applaus und Jubel belohnt wurden. Die Bühnenausstattung (Katja Haß) entsprach in ihrer Kargheit dem tristen Familienbild. Ein seltsamer Blick in die Vergangenheit - und doch stark berührend, dieser Tennessee Williams.

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