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Vielfältigkeit. Formen von Stille und Leere

14.03.2015 - 01.03.2017 | Berlin / Komische Oper Berlin
© Fernando Marcos
© Fernando Marcos
Beschreibung: 

Jeder Choreograph hat ein sogenanntes „signature piece“ – das eine Werk, das in seinem Schaffen besonders hervorsticht, jenes Schlüsselwerk, das den weltweiten Ruf eines Ausnahmetalents begründet. Nacho Duatos „signature piece“ ist unbestritten die moderne Choreographie „Vielfältigkeit. Formen von Stille und Leere“, die er 1999 für die damalige Kulturhauptstadt Europas Weimar kreiert hat. Hinter dem etwas sperrigen Titel verbirgt sich eine tänzerische Hommage des Staatsballett-Intendanten an den Komponisten Johann Sebastian Bach. Am 14. März 2015 feierte die Erfolgschoreographie ihre Berlin-Premiere in der Komischen Oper Berlin.
Der Titel „Vielfältigkeit. Formen von Stille und Leere“ verweist auf die zwei Hälften des Abends. Der rasante erste Teil, „Vielfältigkeit“, wird von einem choreographischen Variationsreichtum beherrscht, wie er sich aus den zugrunde liegenden, ganz unterschiedlichen musikalischen Auszügen Bach’scher Musik ergibt, darunter die bekannten Goldberg-Variationen, Ausschnitte aus den Brandenburgischen Konzerten sowie Sätze aus seinen Sonaten und Orgelkonzerten.  Der zweite Teil, „Formen von Stille und Leere“, beruht hingegen einzig auf Bachs „Kunst der Fuge“, dessen eigenem „signature piece“. Dieser mystisch und spirituell anmutende Part reflektiert die Stimmung des Todes, wie sie für Nacho Duato untrennbar mit Bachs Musik verbunden ist, und steht in seiner kontemplativen Ernsthaftigkeit in starkem Kontrast zum temporeichen ersten Teil.
Zwar sieht die Choreographie keine eindeutige Handlung oder Rollenzuteilung vor, dennoch lassen sich auf der Bühne konkrete Figuren erkennen. Da wäre zuallererst Johann Sebastian Bach selbst, der im stilechten Barockkostüm sein Orchester dirigiert und den ganzen Abend über präsent bleibt. Seine Instrumente sind die Tänzer, die seinem Dirigat folgen. In diesen Szenen verwandeln sich Noten in Tanz und Tänzer werden zur Partitur. Später trifft Bach auf eine Muse, mit der er ein inniges Pas de deux tanzt, bis ihm schließlich der Tod gegenübersteht und ihn aus der irdischen Welt entführt.
Nacho Duato braucht die Inspiration aus der Musik mit ihren Stimmungen und subjektiven Botschaften. Für ihn ergibt sich seine Choreographie stets aus der Partitur – nicht nur bei „Vielfältigkeit. Formen von Stille und Leere“, sondern bei allen seiner Arbeiten. Hierein begründet sich auch die besondere Musikalität, mit der sich Nacho Duato einen Namen gemacht hat. Am Ende des Abends steht ein äußerst sinnlicher Zugang zu der Musik Bachs, die dem Publikum über die Körper und die Bewegung der Tänzerinnen und Tänzer auf einzigartige Art und Weise zugänglich gemacht wird. Und man versteht aufs eindringlichste, warum dieses Werk zu den Meisterwerken Duatos zählt.

Gesamtwertung aus 1 Livekritik

  • Fazit
  • Unterhaltung
  • Anspruch
  • Preis/Leistung
  • Atmosphäre
  • Berlin | Behrenstraße 55-57

    Komische Oper Berlin

    Von dem Theaterbau, den die Wiener Architekten Hermann Helmer und Ferdinand Fellner 1892 errichteten, und der zunächst das »Theater Unter den Linden« beherbergte, ist heute nur noch der Zuschauerraum übrig geblieben.

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