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Urgötz

25.10.2013 - 26.12.2013 | Stuttgart / Staatstheater Stuttgart - Schauspiel Stuttgart
© Julian Röder
© Julian Röder
Beschreibung: 
Den Urgötz, „die Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen Hand“, hat der 22-jährige Goethe in nur sechs Wochen geschrieben. Die Urfassung ist eine aggressive Zeit- und Gesellschaftskritik. Goethe zeichnet, wie er sagt, die „Gestalt eines rohen, wohlmeinenden Selbsthelfers in anarchischer Zeit“. Das Land ist eine „Mördergrube“ – Machtwille, Opportunismus, Eigennutz, Verrat und Betrug sind die Triebfedern der Gesellschaft. Goethes schwäbischer Reichsritter ist ein mittelalterlicher Robin Hood, ein aus der Zeit gefallener Revolutionär, der einer im innersten verkommenen Welt seinen eigenen Lebensentwurf entgegen setzt. „Vor Ihro Kaiserlichen Majestät hab ich Respekt. Er aber, sag’s ihm, er kann mich im Arsch lecken.“, lässt Goethes Götz dem Hauptmann der kaiserlichen Exekutionstruppen ausrichten. Weltberühmte Worte, die Goethe in der späteren Fassung durch Gedankenstriche ersetzt hat.
 
Goethe greift auf eine spätmittelalterliche Rittergeschichte zurück, um ein Panorama seiner Zeit zu entwerfen. Regisseur Simon Solberg dreht die Zeitachse ein Stück weiter in die nahe Zukunft und fragt was die Bauernkriege von heute sind.
 
Götz hat wie viele das Gefühl, der Willkür einer herrschenden Elite ausgesetzt zu sein und mitansehen zu müssen, dass der Großteil der Bevölkerung, der für das Wohlergehen dieser Elite gesorgt hat, am meisten unter ihr leidet. Im Gegensatz zu vielen ist er jemand, der bereit ist, im Kampf um soziale Gerechtigkeit, Meinungsfreiheit, gerechte Löhne alles aufs Spiel zu setzen. Götz beharrt auf seinen Werten und radikalisiert sich dadurch – jedenfalls aus Sicht der machthabenden Fürsten. Dass gerade die Menschen, die für soziale Werte kämpfen, ständig Gefahr laufen, als naiv oder radikal abgetan zu werden, finde ich bei diesem Stück extrem aktuell.
 
Simon Solberg 
 
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17.09.2019

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