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Platonow

01.09.2012 - 05.04.2014 | Hamburg [ Mitte ] / Thalia Theater
© Krafft Angerer
© Krafft Angerer
Beschreibung: 

von Anton Tschechow

Wie jedes Jahr: die Städter ziehen auf ihr Gut aufs Land, um dort den Sommer zu verbringen, die Ortsansässigen erwachen aus ihrem langen Winterschlaf und wie immer trifft man sich bei der Generalin Anna Petrowna, der jungen Witwe, um die ewigen Rituale der Saison wieder aufzunehmen. Neuigkeiten werden ausgetauscht, der Alkoholpegel steigt und zwischen den Themen Liebe und Geld erahnt man das Endspiel einer Gesellschaft, in dem alle hungrig nach Möglichkeiten zum Aufbruch in ein neues Leben suchen - gierig nach Veränderung, gleichzeitig in ihren Krisen festgefahren. Platonow, der mit seinen schonungslosen Bemerkungen für gefährliche Unterhaltung sorgt, wirkt wie ein Brandbeschleuniger. Selbst unfähig, aus seinen Beobachtungen prinzipielle Konsequenzen für sein eigenes Leben zu ziehen, übt er (in seiner ungezügelten Verantwortungslosigkeit) eine fatale Anziehungskraft auf Frauen aus. Es kommt zu unentwirrbaren emotionalen Verstrickungen. Und am Ende wird bezahlt: mit dem Besitz, der einem schon längst nicht mehr gehörte und dem bisherigen Leben, in das man sich nicht einrichten konnte. Die einen kassieren ab, die anderen werden vertrieben.

„Das Stück ohne Titel“, auch „Die Vaterlosen“ und üblicherweise „Platonow“ genannt hat Tschechow vermutlich im Alter von 18 Jahren geschrieben. Er selbst soll es vernichtet haben, doch wurde 1923 eine Handschrift von dieser „Komödie“ wiedergefunden. Schon in diesem ersten Theaterstück tauchen viele Themen späteren Werke Tschechows auf, schon hier zeigt sich seine große Gabe, über die genaue Beobachtung des Banalen den Kern des existientiellen Dramas wiederzugeben. Es ist ein wildes Ungetüm, ein bewundernswerter Versuch, das pralle Leben in seiner Komplexität und Widersprüchlichkeit abzubilden.

„Das Hamburger Thalia Theater präsentiert Tschechows „Platonow“ mit Schauspielern, die bis in die Nebenrollen faszinieren.“ Welt

„Den Titelhelden spielt diesmal Jens Harzer, der fast immer anbetungswürdige Hauptrollenspieler des Thalia Theaters.“ Welt

„Es gibt eine Handbewegung in diesem „Platonow“, in der schon der ganze Tschechow steckt. Jens Harzer, feinnerviger Spezialist für seltsame Scheinheilige, der die Titelfigur in Anton Tschechows Frühwerk spielt, setzt diese Geste nahezu ein Dutzend Mal ein, wenn es darum geht, sich zu entscheiden: für ein Gefühl; eine Frau; ein anderes Leben. Er lässt seine rechte Hand, die linke steckt fest in der Hosentasche, dann in Hüfthöhe verharren, die Handkante gerade wie ein Messer, um den Mund der Anflug eines melancholischen Lächelns, beginnt er die Hand langsam zu kippen, nach rechts nach links.“ Frankfurter Allgemeine

„So findet sich die Generalswitwe Wojnizewa, die Victoria Trauttmannsdorff mit bewunderungswürdiger Restgrandezza spielt, mit der ganzen Tschechow-Partygesellschaft in einem altertümlichen Wohnwagen wieder.“ Frankfurter Allgemeine

„Der gelenkige Jörg Pohl als ewig hungriger und zynischer Arzt Triletzkij kann sich gleichberechtigt neben Platonow behaupten.“ Frankfurter Allgemeine

„Weil nichts anderes mehr geht, plaudert sich diese Untergangsgesellschaft von Essen zu Essen in eine intellektualisierte Ironie hinein. Lange Zeit ist es eine Freude, diesem sprühenden Ensemble zuzusehen, in der jeder seinen Auftritt hat. Jörg Pohl, als Arzt Triletzkij, wie er sich in einen slapstickhaft taumelnden Trunkenbold verwandelt, Sebastian Zimmler, der den Ehemann Wojnizew der feurigen Sofja, Patrycia Ziolkowska, als kreuzbraven Stenz gibt. Und natürlich Jens Harzer als Platonow, ein abgebrochener Student und Provinzlehrer, der seine Ideale längst verloren hat, nur noch Lethargie am Rande der Lähmung verströmt und damit eine Schar weiblicher „Retterinnen“, die Petrowna, Sofja, die junge Grekowa und seine Frau Sascha um den Verstand bringt“ Hamburger Abendblatt.de

„Harzers Platonow ist kein Frauenheld. Er ist mehr Beute als Jäger. Klar, er ist attraktiv, aber scheinbar will er davon nichts wissen. Er kotzt lieber seinen Weltekel aus, gibt sich als unnahbaren Zyniker, virtuos Zerrissener.“ Hamburger Abendblatt

„Victoria Trauttmannsdorff ist die wahre Königin des Abends. Wie sie girrt und Fröhlichkeit fordert. Wie sie cholerisch wird und sich drängend Platonow an den Hals wirft.“ Hamburger Abendblatt

„Jens Harzer ist eine Idealbesetzung als Platonow.“ Frankfurter Rundschau

„Tschechow hat „Platonow“ eine Komödie genannt, und das kommt dem Regisseur sehr entgegen. Kein Gag wird ausgelassen, von der akrobatischen Betrunkenen-
nummer bis zum schiefen russischen Gesang […].“ Frankfurter Rundschau

„Verschanzt in seinem Wohnwagen, zeigt Jens Harzer eindringlich den überforderten, depressiven Mann.“ Frankfurter Rundschau

„Grandiose Schauspieler […] Am Ende viel Applaus fürs Ensemble.“ Bild

„Platonow eröffnet die Spielzeit – mit Darstellern der Extraklasse.“ Mopo

„Dieser Abend ist grandios besetzt. Immer wieder blitzt die Extraklasse von Bühnenstars wie etwa Patrycia Ziolkowska und Jörg Pohl auf. Dass es – besonders in der zweiten Hälfte – eine große, grandiose Jens-Harzer-
Show in der Hauptrolle ist, liegt in der Natur der Sache.“ Mopo

„Das psychologisch feinnervige Stück […] zeigt uns die existenzielle Leere der Figuren drastisch, plastisch und eben in voller Länge.“ Mopo

„ In der Hauptrolle des desillusionierten Platonow brillierte der zweifache „Schauspieler des Jahres“ Jens Harzer.“ Kieler Nachrichten online

„Dieser „Platonow“ ist ein wahres Schauspielerfest. Jörg Pohl als verzweifelter Possenreißer Nikolaj, Matthias Leja als brutaler Gewinnertyp Bugrow, Sebastian Zimmler als gehörnter Ehemann Sergej: Jeder hat sein Kabinettstückchen, niemand spielt sich unnötig in den Vordergrund. Einmal leistet sich Pohl ein Slapstick-
solo, ein tolles, sturzbetrunkenes Stolpern über die Bühne, zwei, drei Minuten, dann passt der Schauspieler sich wieder ein ins Ensemble. Einmal versucht Victoria Trauttmannsdorff Anna Petrowna, Platonow zu verführen, hilflos, verheddert, ein paar wundervolle Sätze von Sophie-Rois-hafter Derbheit lang, und schon läuft die Handlung weiter.“ Nachtkritik.de

„‘Platonow’ funktioniert auf der Schauspielerebene, weil Bosse den Figuren immer den Ausweg in die Ironie offen hält, und für einen Schauspieler wie Harzer ist Ironie ein Geschenk.“ Nachtkritik.de

„Als junge Gutsherrin ist Victoria Trauttmannsdorff brillant in ihren aggressiven Sehnsüchten, die am Ende, als Platonow ihren erotischen Wünschen nur indifferent begegnet, in starre Autorität mündet. Patrycia Ziolkowska, Marie Löcker und Marina Galic als seine Ehefrau, spielen ebenso packend die Frauen, die der Lehrer an seiner nicht zu knackenden Melancholie scheitern lässt.“ Nordsee-Zeitung

„Bosse entwickelt im Hamburger Thalia Theater über weite Strecken […] seines Abends ein packendes Drama aus dem Seelenhaushalt einer Gesellschaft, die keinen Sinn im Leben findet.“ Landeszeitung Lüneburg

„Das Konzentrat, auf das Jan Bosse und sein Team aufbauen, passt und bekommt durch die Intensität des Spiels fesselnde Dichte. Allen voran spielt der großartige Jens Harzer bis zur Erschöpfung den Platonow vom lakonischen, eleganten Zyniker zum wirren Zausel, der andere und sich zerstört und freiwillig in seinen Lebenslügen untergeht.“ Landeszeitung Lüneburg

„Die Inszenierung lebt von den Schauspielern, die ihre Figuren scharf konturieren können. Jens Harzer ist ein entwaffnend ironischer Platonow, der am Ende in einen stoppelbärtigen Selbstekel wegrutscht. Victoria Trauttmannsdorff verleiht der Gutsbesitzerin eine Lebenstüchtigkeit, und Bruno Cathomas wirkt wie ein Kavalier aus anderer Zeit, der nicht weiß wo er gelandet ist. TAZ

Regie: Jan Bosse
Bühne: Stéphane Laimé
Kostüme: Kathrin Plath
Musik: Jonas Landerschier
Dramaturgie: Gabriella Bußacker

Es spielen Christoph Bantzer, Bruno Cathomas, Marina Galic, Jens Harzer, Jonas Landerschier, Matthias Leja, Maria Löcker, Peter Maertens, Jörg Pohl, Sven Schelker, Rafael Stachowiak, Victoria Trauttmansdorff, Sebastian Zimmler, Patrycia Ziolkowska

Premiere am 1. September 2012 im Thalia Theater

Gesamtwertung aus 1 Livekritik

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1 Livekritiken

Es war ein berauschender Theaterabend! Selten habe ich bei einer Inszenierung so herzlich gelacht. Die Darstellung der Schauspieler war ein Kracher. » mehr

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21.08.2019

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