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Geld - Bildnerische Poetik zu einem unerlässlichen Thema

16.01.2014 - 12.12.2014 | Strausberg / Sparkasse Märkisch-Oderland
 Horst Hussel "Zehnbouffhabana" © Archiv Anke Zeisler
Horst Hussel "Zehnbouffhabana" © Archiv Anke Zeisler
Jörg Engelhardt - König Kong 2013 © Archiv Anke Zeisler  (Klick für die Bildergalerie)
Jörg Engelhardt - König Kong 2013 © Archiv Anke Zeisler (Klick für die Bildergalerie)
 Franziska Schwarzbach Goldelsestreckdichtaler © Archiv Anke Zeisler
Franziska Schwarzbach Goldelsestreckdichtaler © Archiv Anke Zeisler
Simone Haack Star II © Archiv Anke Zeisler
Simone Haack Star II © Archiv Anke Zeisler
 Horst Hussel Zehntausendmark © Archiv Anke Zeisler
Horst Hussel Zehntausendmark © Archiv Anke Zeisler
Beschreibung: 

Malerei, Zeichnungen, Grafik, Mischtechniken, Assemblagen und Objekte von

Frank Diersch . Horst Engelhardt . Jörg Engelhardt . Simone Haack . Volker Henze . Horst Hussel . Kai Klahre . Helge Leiberg . Regina Nieke . Ernst J. Petras . Anna Franziska Schwarzbach . Erika Stürmer-Alex

kuratiert von Anke Zeisler.

 

Geld als gesellschaftliche Notwendigkeit

Geld ist nicht nur ein unerlässliches, sondern auch ein unerschöpfliches Thema. Und selbst wenn man alles dazu wüsste, könnten doch nur einige Aspekte angedacht werden. Zunächst die Frage nach dem Unerlässlichen. Aber warum hier diese Notwendigkeit, da doch Horst Hussel sagt, Geld sei nichts wert? Für ihn scheint Geld nur zum Aus- und Übermalen, als Rohstoff für Collagen oder zum Überzeichnen zu taugen. Die Geldscheine aus der Zeit der Inflation im letzten Jahrhundert, die noch immer billig auf Flohmärkten zu haben sind, geben ihm Recht. In China, wo man das Papier und später im 10. Jahrhundert die Note, also das Papiergeld erfand, sprach man zu jener Zeit vom Fliegenden Geld und seinen Geschichten. Natürlich weiß Hussel davon. Der eigensinnige Papierkünstler und Poet hatte Anfang der 1990er Jahre interessanter Weise auch in eine künstlerisch entgegensetzte Richtung gedacht. Für seine Raeterepublik Mekelenburg „gründete“ er eine Bank und druckte eigene Banknoten, signiert vom "Bankpraesidenten" Jan van Sterneberghe, dem Künstler - wie könnte es anders sein - höchst persönlich selbst.

Der flüchtige Wert des Geldes

Es war kein Zufall, dass gerade in dieser Zeit über den Wert des Geldes nachgedacht wurde; Hussel blieb nicht der Einzige. 1993 gab es in Berlin Prenzlauer Berg eine Kunstaktion, zu dem fünfundfünfzig eingeladene Künstler, unter ihnen Helge Leiberg, Geldscheine, die sie Knochengeld nannten, herstellten und in Berliner Gaststätten für knapp zwei Monate in Umlauf brachten. Man bezog sich auf eine frühe Empfehlung des Tonnenphilosophen Diogenes, Geld aus stinkenden Knochen herzustellen, um den Umlauf zu sichern und so dem Werteverfall des Geldes und seiner "Verschatzung", wie es im Strategiepapier des Projektes heißt, zu entkommen. Zum Schluss fehlte eine beträchtliche Anzahl der für zwanzig Mark ausgegebenen Scheine – ihr künstlerischer Wert überstieg offenbar den zeitlich limitierten Wert als Zahlungsmittel. Auch die Münzen von Anna Franziska Schwarzbach, in Anlehnung an Geldmünzen von ihr als Kunstgeld bezeichnet, sind als kleine Reliefs kein Mittel im Finanzbereich, sondern skulpturale Werke, deren Wert im poetisch-bildnerischen Ausdruck liegt. Das Geld als Münze, Papierschein oder als immaterielle Zahl hat offenbar tatsächlich keinen Wert.

Kai Klahre - Alberich II  © Archiv Anke Zeisler

Kunst als Seismograph  

Was in der Kunst dieser feinen wunderbaren Werke gedanklich angestoßen wird, hat uns das Leben immer wieder und oft brutal gezeigt. Erika Stürmer-Alex fand dafür Bilder mit ihrer Reihe Wetterwende, geschaffen im Jahr 2000, als sich der Euro ankündigte und die alte Währung ihren Wert verlieren sollte. Nur das gültige Zahlungsmittel – wer und was seine Geltung bestimmt, sei hier nicht ausgeführt – wird von jedem unbedingt und existentiell benötigt. Da kann die leere Tasche, bildhaft ausgedrückt, wie in Volker Henzes Assemblage Cage 19, zum Kreuz werden. Oder ein Kontoauszug, dessen Habensaldo fast bei Null ist, wird zum Grund einer Zeichnung, die Bezug nimmt zum biblischen Motiv der Arche Noah; die kleine Arbeit von Horst Engelhardt aus dem Jahr 2004 ist zudem auch heute aktuell in Anbetracht der Flüchtlingsdramen in Südeuropa.

Menschliche Verführbarkeit sichtbar machen

Es wäre falsch zu behaupten, schuld sei die Formel des Geldes, diese geniale Erfindung, die auch die Möglichkeit der Verführung in sich trägt. Nein. Es ist die Verführbarkeit der menschlichen Natur, das Begehren nach mehr und mehr der limitierten Werte und Dinge wie Macht, Aufmerksamkeit, Besitz, Verfügbarkeit menschlicher Arbeitskraft oder materieller Güter – als ob ein endloses Mehr das süße Leben noch süßer machen könnte. golden Candy aus der Reihe sweet life von Ernst J. Petras jedenfalls ist wunderbar caramelfarbig aber so riesig, dass es in keinen Mund mehr passt; aus hartem, kantigem Stahl geschmiedet, ist es im Gaumen ungenießbar. Oder als ob es uns zufriedener machte. Kai Klahres Figur des alberich hat sich nach dem Ring der Nibelungen freiwillig dazu verdammt, nur noch seinen Schatz zu hüten, dessen Vorraussetzung der Verzicht auf Liebe ist. In dieser geiz- und angstbeladenen, geduckten Anspannung wird hier selbst das schönste Gold stumpf und totengrau. Und ein Star erscheint noch trauriger in seiner sich selbst schützenden Haltung, wenn er, wie im Bild von Simone Haack, einen beeindruckenden goldenen Anzug trägt. So kann sich das dem Geld nah verwandte Gold den Schattenseiten des Erstrebten anverwandeln.

Die Komplexität des Geldes und ihre künstlerische Aufarbeitung

Aber was hat ein muskelbepackter "HU HU "schreiender - computergezeichneter – Affe auf unserem Fünfzig-Euro-Schein zu suchen? Das Abbild bedeutender Persönlichkeiten gibt es auf diesen Scheinen nicht mehr. Vielleicht hat Jörg Engelhardt mit seinem König Kong einen „Platzhalter“ gesucht... Eine klare Antwort lässt sich kaum erahnen. Apropos. Klarheit und Transparenz gibt es in der Welt des Geldes weniger. Sie ist zu groß und zu kompliziert geworden. In Anbetracht dessen ist es umso erstaunlicher, dass Forscher um den Makroökonomen Gabriele Camera auf die Frage, wie Kooperation in großen unüberschaubaren Gruppen überhaupt möglich ist, herausgefunden haben, dass es das Geld ist, das das notwendige Vertrauen zwischen den Menschen stiftet. Das hat mit Glauben zu tun und reicht in den Bereich des Religiösen; reicht, ohne zu übertreiben, ins Jetzt zwischen Erde und Himmel, zwischen Apokalypse im Grass von Regina Nieke und Frank Dierschs Vorstandssitzung der Unendlichkeit e.V..

© 2013 Anke Zeisler, Waldsieversdorf, 7./8.12.2013

Gesamtwertung aus 5 Livekritiken

  • Fazit
  • Unterhaltung
  • Anspruch
  • Preis/Leistung
  • Atmosphäre
  • Strausberg | Große Straße 2-3

    Sparkasse Märkisch-Oderland

    Sparkasse Märkisch Oderland

    Im vergangenen Jahr konnte die Sparkasse Märkisch-Oderland ca. 655 000 Euro für künstlerische, kulturelle, sportliche und soziale Projekte ausgeben. Das Engage-ment der Sparkasse endet jedoch nicht beim Geld.

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