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Fucking Liberty!

17.01.2013 - 26.05.2013 | Berlin [ Mitte ] / Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz
Beschreibung: 

It seems sick an' it's hungry, it's tired an' it's torn
It looks like it's a dyin' an' it's hardly been born
Bob Dylan, 1962

In den frühen Zeiten des amerikanischen Vaudeville war die Welt noch in Ordnung, die Realität fand als Show live auf der Bühne statt. Doch mit dem Übergang in eine viel mächtigere Realität auf Zelluloid veränderte sich der Blick auf die Wirklichkeit, und kaum kam der Tonfilm auf – als ein weiteres visionäres Versprechen – da verfiel Amerika in eine »Große Depression«. Franz Kafka schrieb während ihres Höhepunktes 1929: »Ich mag die Amerikaner, weil sie gesund und optimistisch sind« und Jean Baudrillard notierte 1987, auf dem Höhepunkt der Reagan-Ära, in dem Land des unbegrenzten Lächelns: »Aus Mangel an Identität haben die Amerikaner ein wunderbares Gebiss«. Also diese Amerikaner! Ulli Lommel, Jahrgang 1944, träumte in jungen Jahren von einer besseren, freieren Welt, wie so viele mit ihm im prosperierenden Nachkriegsdeutschland: »Oft zog es mich damals nach Bremerhaven, wo die großen Schiffe nach Amerika abfuhren und ich träumte von diesem sagenumwobenen Land, welches die täglichen Wettervorhersagen von weiblichen Stimmen singen ließ, so ein Land, wo eine Frau wie Marilyn zur Legende geworden war, wo JFK und Elvis waren, so ein Land, dachte ich, da muss ich hin. Als dann der Vietnamkrieg kam, als die Kennedys und Martin Luther King ermordet wurden, da entschloss ich mich, meinen Traum aufzugeben, jemals nach Amerika zu gehen. Aber es kam alles anders.« Der Subkontinent zwischen New York und Kalifornien wurde zu seiner Geliebten, zu Erika Amerika. Dieser facettenreichen, schillernden Hure, Kriegerin, Tochter, Mutter und Geliebten konnte man nur schwer widerstehen und ebenso wenig dem Streben nach Glück innerhalb einer idealen Staatsform. In den letzten Jahren des vergangenen Jahrhunderts hat Erika A. ihre politischen, materiellen und sexuellen Dimensionen der Freiheit in nahezu obszönem Ausmaß realisiert. Ist ein Endpunkt erreicht ? Oder ist das Post-9/11-Amerika, in Selbstverklärung, Kontrollwut und Staatssicherheit versunken, einfach nur die bessere DDR? Zumindest ein Anfang …

Ladies & Gentlemen! Meine Damen und Herren … Eine Vaudeville Bühne! Entenjagd in Amerika! Eine Welt in 3D!! Mit Film, Live-Musik, Zitaten, Ikonen der Populärkultur und einem Kasperle-Theater!!! Ein Ausflug auf den Planeten der Affen, um dann bei den Mescalero-Apachen in New Mexico zu landen. 3D-Brillen werden ausgegeben.

Gesamtwertung aus 3 Livekritiken

  • Fazit
  • Unterhaltung
  • Anspruch
  • Preis/Leistung
  • Atmosphäre
  • Berlin [ Mitte ] | Rosa-Luxemburg-Platz

    Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz

    2008; Thomas Aurin

    Die Volksbühne wurde 1913-14 nach dem Entwurf Oskar Kaufmanns auf dem Rosa-Luxemburg-Platz (ehem. Bülowplatz) in der Mitte Berlins errichtet. 1890 fand die Gründungsversammlung des Vereins 'Freie Volksbühne' statt. 1892 spaltet sich die 'Neue Freie Volksbühne' ab und gibt den Bau des Theaters in Auftrag.

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