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Die Ratten

29.11.2014 | Düsseldorf / Schauspielhaus (Großes Haus) Düsseldorf
Beschreibung: 

Der unerfüllte Kinderwunsch der Frau John löst eine Tragödie aus.

Die Ratten ist das theatralischste und an Motiven reichste Stück von Gerhart Hauptmann. Er siedelt seinen Figurenkosmos in einer heruntergekommen ehemaligen Kaserne in Berlin an. Hier treffen die gesellschaftlichen Schichten aufeinander, im Habitus und sprachlich voneinander getrennt: auf der einen Seite das Kleinbürgertum und Proletariat um die Familie John, welches gegen Armut kämpft und um sozialen Aufstieg bemüht ist, auf der anderen Seite die Bildungsaristokratie des Bürgertums und Mittelstands, vertreten durch die Familien Hassenreuter und Spitta, ihrerseits von Abstiegsängsten geplagt. Das Haus wird somit zum Abbild der Abhängigkeiten aller von ökonomischen und sozialen Bedingungen – und zum Modell der sich auch heute wieder verschärfenden Klassendifferenzen.

Eine sich rasch verändernde Zeit mit ihren sozialen Herausforderungen verlangt nach neuen Ausdrucksformen, dies ist die zweite Linie des Stückes: Theaterdirektor Hassenreuter, Vertreter einer antiquierten und reaktionären Kunstauffassung, wird von dem jungen Pastorensohn und Schauspiel-Anwärter Spitta herausgefordert: Er streitet als Alter Ego von Gerhart Hauptmann für eine naturalistische Kunst, in der auch die unteren Gesellschaftsschichten einen Platz in der dramatisch-tragödischen Kunst einnehmen sollen. Somit eröffnet sich innerhalb des Sozialdramas eine Debatte um den Zusammenhang von Kunst und sozialer Wirklichkeit und über die Wirksamkeit von Kunst: Kann sie soziale Wirklichkeit überhaupt wiedergeben oder stellt sie selbst soziale Wirklichkeit erst her? Ist Kunst nicht nur ein Mittel, mit dem Macht sich verschleiert und wirksam zu werden versucht? Kann man dann nicht auch mit Kunst die Verhältnisse ändern?

Diesen und anderen Fragen wird das Team um Volker Lösch mit Schauspielerinnen und Schauspielern des Ensembles und Bürgerinnen und Bürgern aus Düsseldorf nachgehen. Exakt zehn Jahre nach seiner verbotenen und berühmt gewordenen Dresdner Inszenierung von Gerhart Hauptmanns Die Weber wird abermals ein Stück des Dramatikers Anlass sein für eine theatrale Reflektion über existentielle und gegenwärtige gesellschaftspolitische Fragen.

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