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ANTIGONE

06.11.2012 | Mülheim an der Ruhr / Theater an der Ruhr
Beschreibung: 

Keine Katastrophen wie die, die wir in ANTIGONE des Sophokles erleben, waren überflüssiger. Der Untergang der Stadt Theben, nachdem sie vom Fluch des Oidipus befreit war, nachdem dessen Söhne sich gegenseitig im Krieg töteten, war überwunden. Nun wurde Kreon König und erließ das Gesetz, Polyneikes nicht zu begraben, Eteokles aber mit allen Ehren zu bestatten. Antigone widersetzte sich diesem Gebot, bedeckte ihren Bruder mit Sand. Dies nimmt Kreon zum Anlaß, die Oidipus-Tochter in einem Felsengrab lebendig einzuschließen und dort begeht sein Sohn Haimon Selbstmord mit ihr.

Die Positionen, die sich gegenüberstehen sind klar: Antigone fordert das alte Götterrecht, das Totenbestattung unbedingt einklagt, Kreon jedoch ist an der Verläßlichkeit vor allem von menschlichen Vereinbarungen interessiert, um den Staat nicht immer wieder neuer Willkür und Zerstörung auszusetzen. Insofern ist Kreons Schritt ein emanzipatorischer, aber die Härte mit der er ihn durchsetzt, läßt einen kalten, mechanisch orientierten Staat erahnen. Diese Positionen, hier die fundamental argumentierende der Antigone und dort die einer kalten Moderne Kreons, sind bis heute nicht aufgelöst und erzeugen in einer globalen Welt jene Disharmonie zwischen Tradition und Moderne, die nach wie vor Zerstörung von ganzen Staaten und Landschaften hervorruft.

 

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