Overlay
Livekritik zu

Theater ohne Probe: Im Sinne von Brecht

14.04.2015 | Berlin [ Prenzlauer Berg ] / Brotfabrik (Bühne)
« zurück zur Veranstaltungsseite
august14979
am 18.04.2015

Helmut Kohl wird gern mit dem Satz zitiert: "Wichtig ist, was hinten rauskommt!" Impro-Theater ist, wenn man nicht weiß, was hinten rauskommt. Aus den Stichworten des Publikums - an diesem Abend waren es die "Schnelligkeit der Medien", die Berufsgruppe "Journalisten" und der just verstorbene "Günter Grass" - ohne vorheriges intensives Grübeln ein szenisches Theaterspiel zu zaubern, das vermag, das Publikum bei Laune zu halten, das darf man schon zu den besonderen Leistungen rechnen. Die Truppe "Theater ohne Probe" beherrscht dieses Genre. Im Sinne von Brecht? Gewiss. Denn der wollte, dass das Theaterspiel nicht nur unterhält, sondern auch zum Denken bzw. Nachdenken anregt.

So geht es also los, das improvisierte, Szene an Szene reihende Stück, welches dankbar die Kommunikationsschwächen der Smartphone-Generation bloß legt, das Burn-out-Problem auf die Himalaya-Spitze treibt oder die Praktikantin der Redaktion zum "Hol doch mal Kaffe" verdonnert. Amüsant bis nachdenkenswert, fast immer mit aktuellem Bezug und mit originellen Spontan-Pointen angereichert, zeigt sich die Schar der Zuschauer am Ende begeistert. Tritt einer der Akteure an den Rand des Geschehens, darf er seinen persönlichen Kommentar zum Bühnengeschehen einflechten oder eine Erläuterung zum Geschehen abgeben. Sozusagen "außerhalb des redaktionellen Teils". Theater zum Nachdenken? Ja, durchaus (- und diesmal nicht über die sonst gängige Frage, was sich wohl der Regisseur bei seiner Inszenierung gedacht hat).

Nicht alle Gags gelingen. Und nach der Pause scheint dem Thema ein bisschen die Puste auszugehen, drängt sich das Gefühl in den Vordergrund, der Drops sei nun gelutscht. Das sind aber nur kurze "Durchhänger", die im Zuge des Improvisierens unausweichlich sind. Letztlich dürfen sich die sechs auf der Bühne zu den Könnern dieser Spielvariante zählen, weil sie aus wenigen Zutaten und ohne aufwendige Requisiten etwas zaubern können, das - im Sinne von Brecht - das Nachdenken fördert. Und das ist doch mal was.

Besucherfazit

Spontan-Theater, das Spaß macht

Bewertung

  • Fazit
  • Unterhaltung
  • Anspruch
  • Preis/Leistung
  • Atmosphäre
20 Personen fanden diese Livekritik hilfreich.
Konnte Ihnen diese Livekritik helfen?
Ja

Ähnliche Veranstaltungen in der Nähe

Zuletzt aktive Livekritiker

  • A.-K. Iwersen
  • theatermail nrw
  • Nick Pulina
  • Iris Gutheil
  • Napp Flaska
  • Theater o.N.
  • Stephanie Speckmann
  • Sarah Dickel
  • Jamal Tuschick
  • Irina Antesberger
  • Rolf Schumann
  • Sarah Divkovic
  • ENSEMBLE RUHR
  • Stephan Baresel
  • Nicole Haarhoff
  • Frollainwunder
  • Kyritz
  • Ina Finchen
  • Alminka Divković Hurabašić
  • Daniel Anderson
  • Katja Marquardt

Für Freikarten und Kulturtipps

Andere Besucher interessierte auch

Machen Sie mit

Kultur erleben

  • Erhalten Sie Informationen zu Veranstaltungen, die Sie wirklich interessieren.
  • Austauschen mit anderen Livekritikern.
  • Gewinnen Sie Freikarten.
Jetzt kostenlos registrieren!