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Livekritik zu

Der Name der Rose

11.05.2012 - 30.05.2015 | Berlin [ Friedrichshain ], Chorin
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Sonja Köllinger
am 28.05.2014

Natürlich habe ich mich vor dem Vorstellungsbesuch gefragt, wie wohl der Regisseur des Kriminal Theaters, Wolfgang Rumpf, Umberto Ecos großes Meisterwerk auf die Bühne bringen will. Nicht nur, dass das literarische Vorbild unheimlich umfangreich ist, auch die allseits bekannte Verfilmung mit Sean Connery in der Hauptrolle konnte ich mir nicht so recht auf einer Bühne umgesetzt vorstellen... und wurde positiv überrascht!

Der gesamte Theaterraum ist ins Stück eingebunden. So müssen die Zuschauer sich gleich zu Beginn erstmal von der Bühne abwenden, da die Schauspieler sich auf der Empore und im Eingangsbereich des Raumes befinden und über den Köpfen des Publikums hin- und herkommunizieren. Dieses Mittel, die Bühne zu vergrößern und einen Teil der Handlung in den Zuschauerraum zu verlegen, ist sehr authentisch. Es vermittelt die Weitläufigkeit der italienischen Benedektinerabtei, die Schauplatz der rätselhaften Mordserie ist, welche der Frankziskanermönch William von Baskerville, der allseits für seinen scharfen Verstand bekannt ist, mit seinem Novizen Adson aufdecken soll. 

Die Bibliothek ist das Herzstück der Abtei und weltweit für ihre literarischen Schätze bekannt. Dieses Motiv ist dem Bühnenbild stets immanent, das zwar im Vordergrund in fast jeder Szene wechselt, im Hintergrund jedoch fortwährend ein riesiges aufgeklapptes Buch zeigt. Die Bibliothek ist geheim und darf nur von dem Bibliothekar Malachias, seinem Gehilfen Berengar und dem bereits erblindeten Bibliothekar Jorge von Burgos betreten werden. Alle anderen Mönche dürfen sich lediglich im Aedificium aufhalten und dort, falls vom Bibliothekar erlaubt, mit den Büchern arbeiten.

Nach und nach ereignen sich immer mehr Morde an Mönchen und William von Baskerville findet schließlich heraus, dass alle von ihnen etwas mit einem mysteriösen Buch zu tun gehabt haben müssen, das in dem riesigen Labyrinth der geheimnisvollen und gut gehüteten Bibliothek  von irgendjemandem versteckt wird. Doch obwohl er vom Abt die Aufgabe erteilt bekommen hat, die Morde aufzudecken, dürfen auch er und Adson die Bibliothek nicht betreten...

Nach der Pause zieht sich die Handlung etwas in die Länge, allerdings ist dies durch die äußerst umfangreiche literarische Vorlage auch kaum zu umgehen. Ich könnte mir vorstellen, dass Zuschauer, die weder Buch noch Film kennen, mit den Namen leicht durcheinander kommen, da die Figuren in diesem Stück sehr zahlreich sind. Wirklich jeder von ihnen hat seine Rolle aber sehr gut gespielt. Die überzeugende schauspielerische Leistung in Verbindung mit den immer wieder eingespielten mittelalterlichen Chorälen versetzte das Publikum in eine längst vergangene Zeit. 

Was mir persönlich etwas zu kurz kam, waren die semiotischen Elemente, die in Ecos Werk eine zentrale Rolle spielen. Die Zeichen, die William von Baskerville schließlich zur Lösung des Rätsels führen und mit denen im Buch ganze Seiten gefüllt werden, sind hier meist nur kurz angerissen. Insgesamt war es jedoch ein unterhaltsamer Abend mit viel Spannung und einer guten Prise Humor!

Kleiner Tipp für alle Interessierten: In den Sommermonaten spielt das Kriminal Theater dieses Stück des Öfteren in verschiedenen historischen Locations, wie z.B. dieses Wochenende im Kloster Chorin. Macht sich bestimmt toll für die Atmosphäre!

Besucherfazit

Unterhaltsamer und spannender Abend mit einer guten Prise Humor!

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