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Livekritik zu

Der Kissenmann

22.05.2014 - 06.11.2014 | Stuttgart / Theater der Altstadt
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Andrea Ostberg
am 27.05.2014

Der Kissenmann ­- ein Stück von Martin McDonagh im Theater der Altstadt

Der Schriftsteller Katurian Katurian Katurian wird verhaftet und ihm wird mit Folter und Exekution gedroht. In einem totalitären System kann das viele Gründe haben. Bald stellt sich heraus, dass seine, zugegebenermaßen recht grausamen und ungewöhnlichen, Geschichten, sein leicht beeinträchtigter Bruder Michal und drei Morde an kleinen Kindern ihm den Schlamassel eingebrockt haben.

Klingt die Geschichte des Kissenmann zuerst einmal sehr kafkaesk, ist die Grundidee, die Fragen nach Schuld und Unschuld, Realität und Fiktion, klar im Stück zu finden.  Wichtig ist aber, dass man gut zuhört, denn alle Erzählebenen – die Verhöre, die Geschichten des Schriftstellers, das Leben der Akteure und die Grundsätze, fast schon Dogmen einiger Figuren knüpfen den roten Faden. Und genau das hat mir gut gefallen. Die Verflechtung der Ebenen, die Tatsache, dass nichts nur schwarz oder weiß ist, Geschichten vielleicht wahr sind oder auch nicht, dass nicht alles, was beim ersten Gedanken verwerflich ist, auch schlecht ist und nicht  jeder, der gut zu sein scheint, auch ohne Schuld ist. Dem Zuschauer wird immer wieder die Frage gestellt, wieviel Leid ein Mensch im Leben zu ertragen haben sollte und ob ein Leben, ohne glücklich zu sein, wirklich lebenswert ist.

Katurian Katurian Katurian geht seinen Weg bis zum Schluss, verzweifelt versucht, sich und seine Geschichten nicht zu verraten und den letzten Funken Glaube an seine Mitmenschen nicht zu verlieren.   

Schon allein wegen der schön makaberen Geschichten und der Grundidee vom Wert des Lebens würde ich mir das Stück gleich nochmal anschauen.

Das Ensemble spielt 100 Minuten ohne Pause. Die Uhr auf der spärlich ausgestatteten Bühne tickt erbarmungslos die Minuten bis zur angekündigten Exekution herunter. Lukas Ulrich und Till Florian Beyerbach als Gebrüder Katurian sind überzeugend. Beim Rest des Ensembles, denke ich, kann man noch eine Schippe oben drauf legen. Der Kissenmann ist im Grunde genommen kein nettes Stück, sondern endlich mal die Gelegenheit, alles auf der Bühne rauszulassen.

Der Kissenmann ist ein außergewöhnliches Stück, makaber, grausam, aber trotzdem nicht zu dunkel und hoffnungslos. Ungewöhnlich und daher absolut sehenswert! Das Stück ist noch den gesamten Mai und Juni zu sehen!

Besucherfazit

Ungewöhnlich, makaber, ein gewagtes Gedankenspiel über das Leben und den Tod

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